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Wachregiment keineswegs geehrt

Abgeräumter Stein vor Hotel in Massow sollte nur sachlicher Hinweis für Gäste sein

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 3 Min.

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Es sollte keine Gedenkstätte werden und nicht einmal eine Würdigung bedeuten, sondern lediglich ein Hinweis sein. Das war die Idee, von ehemaligen Offizieren des Wachregiments »F. E. Dzierzynski« in die Tat umgesetzt. Die Männer sind nun überrascht, welche Aufregung dadurch entstanden ist, wie große Kreise die Angelegenheit zieht. Hubertus Knabe, Leiter der Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen, hat sogar die Justiz eingeschaltet.

In Massow (Dahme-Spreewald) befindet sich eine alte Kaserne, in der früher Teile des Wachregiments stationiert waren. Die Unterkünfte sind längst abgerissen. Es stehen aber noch einige Gebäude, beispielsweise das inzwischen heruntergekommene Kulturhaus - und das einstige Stabsgebäude, das zum Hotel umfunktioniert wurde. Gäste fragen sich, was hier früher gewesen ist. Ihnen sollte geholfen werden.

Auf dem durch Spenden der Offiziere finanzierten Stein steht nur eine sachliche Information. Es hat hier von 1960 bis 1990 einen Schieß- und Ausbildungsplatz des Wachregiments gegeben. Der Vorwurf, dass eine Ehrung beabsichtigt war, lässt sich durch die Inschriften auf zwei Seiten nicht belegen. Eine Wertung fand sich nirgends. Der Betrachter müsste sich zusätzliche Informationen besorgen und könnte sich dann seine eigene Meinung bilden.

Es kann eigentlich keine Rede davon sein, dass hier das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) verherrlicht wird oder Opfer des SED-Staates verhöhnt werden. Gleichwohl ist reflexartig genau davon die Rede. So erklärte Grünen-Landtagsfraktionschef Axel Vogel, das Wachregiment habe »als Teil des staatlichen Unterdrückungsapparates der DDR« dem MfS unterstanden und »paramilitärische Aufgaben« übernommen. »Es mit einem Gedenkstein ehren zu wollen, kam einer Verhöhnung der Opfer des DDR-Regimes gleich«, behauptete Vogel. Er freute sich, »dass die öffentlichen Proteste gegen den hier zum Ausdruck kommenden Geist von gestern so schnell Wirkung gezeigt haben«. Denn die Leitung der Leonardo-Hotelkette hatte, aufgeschreckt durch das Aufsehen, am Mittwoch veranlasst, den Findling wegzuräumen.

Freilich ließe sich einiges gegen das Wachregiment vorbringen. So regte sich auch in dieser Truppe, wie in der Nationalen Volksarmee (NVA), eine EK-Bewegung. Dabei drangsalierten einige länger gediente Soldaten und Unteroffiziere die neu Hinzugekommenen. Gegen die schlimmsten Auswüchse wurde jedoch vorgegangen, wenn sie bekannt wurden. Außerdem war das Wachregiment im Grunde genommen viel zu groß. Für seine Hauptaufgabe, das Absichern von Objekten der SED- und DDR-Führung sowie des Ministeriums für Staatssicherheit, wäre eine kleine Polizeieinheit ausreichend, das zeitweise sogar mit schwerem Geschütz ausgerüstete Regiment nicht erforderlich gewesen. Die Soldaten und Offiziere waren aber beileibe keine Geheimdienstler und für eine konspirative Tätigkeit nicht ausgebildet. Die Mannschaften bestanden aus Wehrdienstleistenden, die in der Regel gar nicht wussten, was in den einzelnen Gebäuden vor sich ging, die sie bewachten. Nicht einmal die Offiziere wussten immer so genau Bescheid, denn dem Ministerium war Geheimhaltung äußerst wichtig.

Auch über den Namen Feliks Edmundowitsch Dzierzynski lässt sich diskutieren. Der Gründer und Chef des sowjetischen Geheimdienstes Tscheka ist in den blutigen Jahren des Bürgerkriegs bei der Bekämpfung von Konterrevolutionären nicht zimperlich gewesen und hat gewiss auch Unschuldige auf dem Gewissen. Doch die 1967 erfolgte Verleihung des Namens an das Wachregiment wurde von oben verfügt. Das kann man den Angehörigen nicht ankreiden. Verschwiegen werden sollte der Name nun nicht.

Die ganze Geschichte verdient eine seriöse Betrachtung. Dem wäre mit einer unaufgeregten Debatte auch über den Stein von Massow bestimmt gedient gewesen. Doch wenn mit Geschichte Politik gemacht wird, wie es heute üblich ist, dann wird über Steine nicht lange geredet, dann werden sie lieber schnell entsorgt.

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