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Ach, allzu menschlich

Philip Matyszak über zänkische Götter und tragische Helden

  • Von Linda Löwenstein
  • Lesedauer: 3 Min.

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Was unterscheidet die Götter von den Menschen? Oder umgekehrt. Eigentlich nicht viel. Zu diesem Fazit kommt man nach der Lektüre der informativen, anschaulich und amüsant verfassten Geschichte der antiken Mythologie von Philip Matyszak.

Giganten, Götter und Halbgötter sind eifersüchtig und ehrgeizig, strebsam und streitsüchtig, liebevoll und hasserfüllt, zänkisch und zaudernd, kreativ und katastrophal zerstörerisch. Ihre, ach allzu menschliche Natur schafft Nähe und macht neugierig auf sie. Die Heroen der antiken Götterwelt sind in unserem Alltag allgegenwärtig, teils ohne, dass wir dessen gewahr sind. »Wenn die Psychologen (die ihre Berufsbezeichnung mit Psyche, einer mythischen Prinzessin, gemeinsam haben) von einem Ödipuskomplex oder einem Fall von Narzissmus sprechen, greifen sie auf mythische Gestalten zurück, denn die Mythen, in denen Ödipus und Narkissos auftreten, beschreiben bestimmte Aspekte der menschlichen Existenz so treffend, dass sie nie überboten worden sind«, bemerkt Matyszak in seiner Einleitung.

Eine Beschäftigung mit den antiken Mythen lohnt sich. Nicht nur, dass sie Einblick in die antike Weltsicht und das Bild von der Entstehung der Welt geben, wie es unseren Ahnen vorschwebte. »Zuerst war alles Chaos. Die Zeit, der Sternenhimmel, die Erde, die Lüfte und das Wasser waren allesamt untereinander gemischt, und in dieser Mischung steckte weder Sinn noch Ordnung. Das Chaos war endlos und düster ...« Doch dann begannen einige Kräfte Gestalt anzunehmen und Ordnung in das Universum zu bringen. Diese ersten großen vier Kräfte waren Eros (Gott der Liebe), Gaia (Mutter Erde), Tartaros (Unterwelt) und Nyx/Erebos (die Nacht, die den Tag gebar). Von ihnen stammten alle Abertausende göttliche Wesen ab, die hernach erschienen, erklärt Matyszak, und stellt die wichtigsten vor. Zu diesen gehört natürlich Zeus, den die Römer Jupiter nannten, und der sich im Kampf gegen die Titanen zum unangefochtenen Herr über das Universum erhoben hatte. Dazu gehören seine zahlreichen ehelichen und außerehelichen Kinder.

Einer der bekanntesten Titanen ist Prometheus, dessen Name »rechtzeitig nachdenken« und »vorausschauend« bedeutet, wie der Autor wissen lässt. Prometheus sind wir zu besonderem Dank verpflichtet, denn er formte das Wesen Mensch und schenkte ihm das Feuer, weshalb ihm vom zürnenden Zeus grausiges Los zuteil wurde: an einen Felsen des Kaukasus geschmiedet. Was seit jeher Künstler inspirierte. Ebenso wie Aphrodite (Venus). Die »Venus von Milo« im Louvre wie auch Botticellis Gemälde der Schaumgeborenen in einer Muschel zählen zu den berühmtesten Kunstwerken.

Aus den Mythen schöpften die großen Tragödien von Homer und Vergil, Euripides und Sophokles. Sie regen Maler, Bildhauer, Komponisten und Literaten noch heute an. Matyszak stellt auch das Nachleben der Götter vor. »Die Geschichten haben 3000 Jahre überlebt, weil sie gewaltige und ungeheuer unterhaltsame Erzählungen sind.« Sie lehren, dass trotz Konflikten, Streit und Missverständnissen Götter, Halbgötter und Menschen zusammen die Ungeheuer und Giganten, die Hass und Vernichtung säen, bezwingen können. Es geht »nicht nur um Gut und Böse, sondern um den großen Kampf um Kultur und Vernunft im Widerstreit mit Barbarei und Chaos«.

Wer mehr über Poseidon (Neptun) und Atlas, Apollon und Marsyas, Athene (Minerva) und Artemis (Diana), Dionysos (Bacchus) und Hermes (Mercurius), Pan, Nemesis und Äskulap oder auch über die Musen und Kentauren wissen will, lese dieses lehrreiche Buch.

Philip Matyszak: Von zänkischen Göttern und tragischen Helden. Klassische Mythologie für Anfänger. Primus. 239 S., geb., 19,90 €

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