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»Wir kommen wieder!« - »Wir machen weiter!«

Vom 16. bis 19. November fand das 15. Leserreisetreffen in Königslutter statt / Im Herbst 2013 geht es nach Wismar

  • Von Michael Müller
  • Lesedauer: 5 Min.

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Zum 15. Mal kamen die reiselustigsten unter den nd-Leserinnen und -lesern zum Leserreisetreffen des »neuen deutschland« zusammen. Diesmal vom 16. bis 19. November im niedersächsischen Königslutter. Man wohnte im Avalon-Hotelpark, und man erlebte - dies ist nun wahrlich schon traditionell zu nennen - ein ebenso umfang- wie abwechslungsreiches Dreitageprogramm: Gesprächsrunden mit Gästen aus Politik und Wirtschaft, Kultur und Sport, Ausflüge, Varieté, Kabarett und Theater, Tanzabend, Reisemarkt. Einhelliges Fazit am Abreisetag: »Wir kommen wieder«, versichern Teilnehmerinnen und Teilnehmer. »Wir machen weiter«, bekräftigen die Veranstalter.

Und um gleich einen besonders wichtigen Einzelpunkt der Bilanz hervorzuheben: Erstmals seit Jahren gab es mehr Anmeldungen, als die Organisatoren erwartet hatten! Kurzfristig musste noch ein kleines Hotel am Ort, die »Kärntner Stub'n«, dazugebucht werden, um die Warteliste abzuarbeiten. Mit rund 280 lag die Teilnehmerzahl etwa bei der von 2011. »Der Rückgang von jeweils etwa zehn Prozent aus den letzten Jahren scheint gestoppt. Und wir konnten erstmals auch wieder deutlich mehr jüngere Neueinsteiger begrüßen«, sagt Mario Friedrich.

Friedrich ist Geschäftsführer von GR-Reisen, einem Neustrelitzer Veranstalter, der zusammen mit seinem in der gleichen Stadt beheimateten Mutterunternehmen BTO die nd-Leserreisetreffen organisiert und durchführt. Und zwar in enger Kooperation mit dem bewährten nd-eigenen Leserreisen-Zweierteam. Bei Irene Kohlmetz und Frank Diekert im Berliner Verlagshaus von »neues deutschland« buchen unter dem Motto »Mit LINKS durch die Welt« alljährlich rund 1500 Leserinnen und Leser Studien- und Rundreisen, Städtetouren, Schiffsfahrten und Kururlaube. Und der ganz umtriebige, erlebnishungrige und nimmermüde Reisekaderkern, der eben trifft sich seit 1998 einmal im Jahr, um die Saison in gleich gesinnter, lebensfroher Runde ausklingen zu lassen.

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Den Auftaktabend bestritt diesmal das Weimarer KIECK-Theater mit einer Mischung aus Literatur, Musik, Schauspiel, Pantomime und Tanz. Mit »Liebe, Lachen, Tod & Teufel« war das alles überschrieben, und ein solcher vielfältiger Mix hatte irgendwie fast etwas Programmatisches für die nächsten Tage. Nachdem sich die Erlebnishungrigen in der Gastgeberstadt Königslutter (Kaiserdom und Lothar III., Ducksteinbier und Museum für mechanische Musikinstrumente) ausgiebig umgesehen und am nd-Glühweinmobil ein wenig aufgewärmt hatten, waren sie höchst gespannt auf die Gesprächsrunden, die die Erwartungen auch vollauf erfüllten. Viele Fragen und Diskussionsbeiträge aus dem Publikum und dazu viel Beifall waren untrügliches Zeichen dafür.

Edgar Most, einstiger Vizepräsident der DDR-Staatsbank und nach 1990 bis 2004 in der Führungsetage der Deutschen Bank, nahm angesichts von Unfähig- wie Unwilligkeit der nationalen politischen und wirtschaftlichen Führungsschicht kein Blatt vor den Mund. Seine Vorstellungen von einem Umschuldungsverfahren zur Entschärfung der Eurokrise klangen plausibel. Er habe sie auch schon der Bundeskanzlerin, mit der er per du sei, übermittelt. Doch leider war im Saal keiner ihrer Emissäre zugegen.

Nicht nur die Sportfans kamen bei Gerhard Grimmer auf ihre Kosten. Anfang der 70er Jahre hatte der Skilanglauf-Exweltmeister als erster Mitteleuropäer die Skandinavier auf ihren Loipen am Holmenkollen geschlagen. Der 69-jährige Thüringer plauderte ebenso aus dem sporthistorischen Nähkästchen, wie er anschließend viele Autogramme gab und verriet, dass er selbst immer noch den klassischen Stil bevorzuge.

Prof. Dr. Heinrich Fink, evangelischer Theologe, von 1990 bis 1992 erster und bisher einziger frei gewählter Rektor der Berliner Humboldt-Universität, später für die PDS im Bundestag, wandte sich historischen wie aktuellen Fragen von Judentum, Christentum und Islam zu. Er bekräftigte, übrigens auch auf manchen eher skeptischen Einwand aus dem Saal hin, dass er weiterhin an die diesen Religionen gleichsam innewohnende Botschaft von Gerechtigkeit, Frieden und Menschenwürde glaube. Großes Staunen im Saal, als Fink berichtete, dass zu seiner Studentenzeit an der Theologischen Fakultät in den 50er Jahren ein damals auch noch ziemlich junger Mann namens Hermann Kant sein Marxismus/Leninismus-Seminarleiter war.

Im Podiumsgespräch mit nd-Geschäftsführer Olaf Koppe konstatierten Ursula Weisser-Roelle, Spitzenkandidatin der LINKEN bei den Landtagswahlen in Niedersachsen und Matthias Höhn, Bundesgeschäftsführer der LINKEN, eine zunehmend gute Arbeit ihrer Partei nach deren Göttinger Parteitag. Manfred Sohn, niedersächsischer Parteichef der LINKEN, meldete sich während des Forums per Mobiltelefon aus dem Anti-AKW-Camp Grohnde - und konnte direkt die Beifallsgrüße des Publikums an die Protestaktion gegen Plutoniumtransporte entgegennehmen.

Dann ging es im Programm, je nach Geschmack, mit Harzrundfahrt, Tour durch die Autostadt Wolfsburg oder auch mit Kaiser-Lothar III.-Spurensuche weiter. Also ganz gemäß der Goetheschen Sentenz, dass »Reisen bildet«. Die aber wohl nicht nur Wissenszuwachs, sondern die Persönlichkeit des Reisenden insgesamt im Blick hat - so dieser solcherart Bildung an sich herankommen lässt. Das Völkchen der nd-Leserreisenden, besonders das, das sich alljährlich im Herbst zu Hunderten trifft, scheint derart besonders empfänglich zu sein. Dicht umlagert und viel nachgefragt beim »Reisemarkt« am Abschlusstag deshalb wohl besonders die Studienreiseangebote nach Israel, in die Länder des einstigen Jugoslawien, nach Chile und Argentinien sowie nach China auf den »Langen Marsch«.

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Der Altersdurchschnitt bei nd-Leserreisenden liegt so um die Ende 60, Anfang 70. Jung gebliebene Leute sind das. Nicht zuletzt durch eine Art zu reisen, die nicht einfach nur zeitvertreibende Ortsveränderung, sondern eben Bildung-seiner-selbst im Goetheschen Sinne zum Ziel hat. Wissensdurstige, lernbegierige und lebenslustige Menschen eben. Beim Abschlussabend wurde wie immer ausgelassen und unermüdlich das Tanzbein geschwungen. Das »When The Saints Go Marchin' In« einer vom Discjockey aus der Mitte der Teilnehmer formierten und unter seiner Dudelsackleitung auftretenden Schottenband zählte zu den umjubelten Höhepunkten.

»Jetzt war ich zum 15. Mal dabei, und nun visiere ich schon die 20 an«, sagt eine ältere Dame bei der Abreise. Aber erst mal ist im Herbst 2013 die laufende Nummer 16 dran. Da trifft man sich in Wismar. Der Vorverkauf läuft. Und wenn die Teilnahmetendenz von 2012 anhält, dann sollte, wer dabei sein will, nicht lange zögern.

nd-Leserreisen, Franz-Mehring-Platz 1, 10243 Berlin, Irene Kohlmetz und Frank Diekert, Tel: (030) 29 78 -1621, -1620, E-Mail: i.kohlmetz@nd-online.de, f.diekert@nd-online.de www.neues-deutschland.de/leserreisen

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