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Liao Yiwu, Li Bifeng: Zwölf Jahre Gefängnis

  • Von Hans-Dieter Schütt
  • Lesedauer: 3 Min.

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In China ist der Dichter Li Bifeng, wie die FAZ vermeldet, zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden. Der 48-Jährige war seit 1990 schon wegen politischer Opposition fünf und wegen »Wirtschaftskriminalität« sieben Jahre im Gefängnis. Li Bifeng, ein Kaufmann, soll 63 Eigentumswohnungen gekauft, aber nicht alle bezahlt haben. Kein Delikt auf den Unterstufen der Armut. Gehobene Gehaltsklasse. Immobilien! Was Kritiker der chinesischen Opposition, im Misstrauen gegen die moralische Integrität so mancher Dissidenz, gewiss nur bekräftigt.

Indes: Internationale Schriftstellerproteste laufen an, bereits im Frühjahr hatten Herta Müller, Lars Gustafsson, Norman Menea und andere einen Solidaritätsappell für Li unterzeichnet - eine Initiative des in Deutschland lebenden Schriftstellers Liao Yiwu. Der Staat, so chinesische Oppositionelle, verlege sich verstärkt und in oft jahrelang listiger Rechtsdreherei auf angebliche Wirtschaftsvergehen, um so dem frontalen Vorwurf zu entgehen, man verfolge kritischen Geist. (In der DDR wurde Stefan Heym, als er im Westen veröffentlichte, nicht wegen seines Widerstandes gegen die Zensur belangt, sondern »nur« wegen Devisenvergehens.)

Liao in der FAZ: Der wahre Grund für die Verhaftung von Li Bifeng sei der Verdacht gegen ihn, »meine Flucht ins Exil« bezahlt zu haben. »Glatte Lüge.« Aber alle in China, die mit ihm, Liao, zu tun hätten, so der Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels, müssten wohl mit Schikanen rechnen, als Quittung für Liaos Preisrede mit dem Satz: »Dieses Imperium muss auseinanderbrechen.«

Aber warum sollte es einen Dichter kümmern, was ein derartiger Satz realpolitisch bedeuten würde, so lange nicht Viele genau so provokativ aufschreien, da ein Imperium Einzelne zerbricht. Der Satz Liaos variiert den Grundschrei aller Verfemten aller Zeiten - der Satz zierte das rebellische Künstlerwort der Jahrhunderte. Kein Imperium ausgenommen.

Und wenn man die irritierende Forderung schon so einfältig auf die akute Politik überträgt und sie als Spiel mit dem Feuer geißelt, dann darf gefragt werden: Spürt man diese an Diplomatie geschulte Sorge um das Gleichgewicht der Welt denn auch, wenn von bestimmter linker Seite nicht minder radikal gegen den Kapitalismus gezürnt wird: »Nieder mit dem System!«? Wäre das nicht ebenso höllisch für die Welt?

Wieso der Westen gerade dann in Erregung verfalle, wenn ein chinesischer Dissident in die Fänge des Imperiums gerät? Wer wie China aus der politischen Geschichte, die eine Geschichte der Hinterhöfe, Verliese und Katen ist, eine gänzlich neue schöne Wohnung zu kreieren beabsichtigt, der trägt leider die Bürde, dass fortan jeder störende Staubkrümel fragend beäugt wird. Nur dass eben ein Mensch kein Staubkrümel ist. Da wie dort nicht. Nirgends.

Daher gilt in Sachen humaner Rechte auch der Appell an die USA: Freiheit für den dortigen Geheimnisverräter im Friedensauftrag, den Patrioten Bradley Manning!

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