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Karl Stenzel

In memoriam

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Er hat bis zuletzt gekämpft, auch gegen eine Bürokratie, die ihm als über 90-Jährigem nach einem Herzinfarkt keine Reha genehmigen wollte.

Die Nazis haben ihm seine Jugend geraubt. Von den zwölf Jahren Hitlerdiktatur war er elf Jahre hinter Gittern und Stacheldraht - der Leipziger Arbeiterjunge und gelernte Schlosser Karl Stenzel (Foto: K.V.), geboren am 23. April 1915. Im Juni 1933 wurde er das erste Mal verhaftet und auf die Sachsenburg verschleppt, eines der ersten KZ in Deutschland. Weil er Parolen an Häuser- und Fabrikwände gemalt hat: »Die KPD lebt...« Kaum entlassen, war er wieder im antifaschistischen Untergrund aktiv, wurde erneut von der Gestapo aufgegriffen und nun zu über sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. Drei Jahre saß er in Waldheim ab, dann wurde er ins Moor, in die Hölle der Emslandlager geschickt, von dort ins Gefängnis Hamburg-Fuhlsbüttel und im November 1941 nach Sachsenhausen deportiert, wo er Leichenträger, Holzfäller und Vorarbeiter in der Granatenproduktion im Außenlager Falkensee war. Auch im Lager blieb er widerständig, organisierte, ermunterte und deckte Sabotage und übte Solidarität mit den Häftlingen aller Nationen. Am 26. April 1945 schlug für ihn die Stunde der Befreiung, als die Rote Armee in Falkensee einrollte.

Zunächst kehrte Karl in seine Geburtsstadt zurück, gründete ein antifaschistisches Aktiv, wurde Jugendsekretär der KPD und Sekretär des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB), besuchte die Parteihochschule in Kleinmachnow, arbeitete an der Gewerkschaftshochschule in Bernau, vertrat die DDR als Diplomat in China und war anschließend in der staatlichen Zentralverwaltung für Statistik tätig. Nach seiner Pensionierung 1975 stellte er sich ganz in den Dienst der Lagerarbeitsgemeinschaft Sachsenhausen, 1990 wurde er Generalsekretär des Internationalen Sachsenhausen Komitees. Der Zeitzeuge hat Generationen von Jugendlichen seine Erfahrungen unter dem Hakenkreuz vermittelt und stritt unbeirrt - faktisch bis zum letzten Atemzug - gegen Neonazis; noch im hohen Alter stellte er sich selbst NPD-Aufmärschen in Brandenburgischen entgegen.

Am 20. November ist der Kämpfer Karl Stenzel friedlich eingeschlafen.

Mehr zu Stenzels Leben in »Licht in dunkler Nacht« von Karlen Vesper (Pahl-Rugenstein, 141 S., br., 12,90 €).

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