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Ein Kerl

Ottfried Fischer verabschiedet sich aus dem »Schlachthof«

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Das Kapital des Schauspielers ist gemeinhin seine Mimik. Es gibt Ausnahmen: Schauspieler, die von ihrer Erscheinung leben, deren Gesichtsmuskel auf Stillstand trainiert sind. Ottfried Fischer gehört zu dieser Kategorie. Eine Erscheinung als TV-Verbrecherjäger (»Der Pfundskerl«, »Der Bulle von Tölz«) und als TV-Geistlicher (»Pfarrer Braun«) gleichermaßen. Besonderes Kennzeichen: Aus der Mitte des Gesichts entschlüpft ein Monolog. Gewissermaßen ist diese mimische Kargheit herkunftsbedingt: Ottfried Fischer wuchs im Bayerischen Wald auf, ging in Passau zur Schule; wer da geistig überleben will, für den ist eine gewisse Gemütshärte von Vorteil.

Im Hauptprogramm abseits der TV-Serie ist der 59-Jährige aber Kabarettist. Mehr als 150 Mal moderierte er jeweils am letzten Freitag im Monat im Bayerischen Rundfunk (BR) »Ottis Schlachthof«. Dort saß er als Primus inter Pares mit dem Bierhumpen in der Hand, kündigte kabarettistischen Nachwuchs an und kommentierte mit seinen Gästen am Stammtisch das große und kleine Weltgeschehen. Anfangs war Fischer der agilste Teil der Runde. In den letzten Monaten aber konnte er seine Parkinson-Erkrankung nicht mehr verbergen. Heimtückisch für jemanden, dessen Künstler-Kapital die Sprache ist, aber sogleich für einen Komiker eine Chance, dem Tragischen den Witz entgegenzuhalten.

Ottfried Fischer hat das durchgehalten, vielleicht zu lange. Schon vor einem Jahr wurde ihm mit Michael Altinger ein »ständiger Gast« zur Seite gesetzt. Mit der Krankheit Fischers habe das nichts zu tun, versicherte der BR. Doch Fischer selbst hatte im Sommer dieses Jahres ein Einsehen und verkündete das Aus seines »Schlachthofs« zum Jahresende. Gestern lief die letzte Sendung. Fischer nimmt es mit Witz und schiebt es auf den »Kollegen Parkinson«. Man könne »nie ganz sicher sein, was er anstellt«. Künftig wird er das machen, was er eh am besten kann: Live auf der Bühne stehen; vor kleinem Publikum zwar, aber, wie er sagt, dann »stressfreier«. Auf der Bühne müsse man »nicht vor der ganzen Nation bestehen«. So kann auch Parkinson sein Gutes haben.

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