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Der Traum von der eigenen Brauerei

Christoph Flessa stellt in Friedrichshain eigenes Bier her - und liegt damit im Trend

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Wie ein ganz normales Wohnhaus wirkt der Altbau an der Petersburger Straße in Friedrichshain. »Flessa Bräu« steht auf einem kleinen Plakat neben der Hofeinfahrt, darüber ein stilisierter, knorriger Baum. Was zunächst aussieht wie ein Souvenir aus der Heimat eines süddeutschen Zugezogenen ist tatsächlich das Firmenschild einer echten kleinen Brauerei.

»In den 20er Jahren war Berlin die Stadt mit der höchsten Brauereidichte der Welt«, sagt Christoph Flessa. »An die Tradition, in kleinen Betrieben handwerklich Bier zu brauen, möchte ich wieder anknüpfen.« Damit ist er in Berlin nicht alleine: 16 sogenannte Mikrobrauereien zählt die Berliner Versuchs- und Lehranstalt für Brauereiwesen. Der 44-jährige führt aber wahrscheinlich den kleinsten Betrieb dieser Kategorie. Er ist nicht nur der Inhaber der kleinen Brauerei, eigentlich ist er die Brauerei, denn er macht alles selbst: Brauen, Abfüllen, Fässer spülen, Etiketten kleben, Marketing, Auslieferung. Zwölf-Stunden-Tage sind die Regel.

Von Romantik ist angesichts der lebensmittelrechtlichen Realität wenig zu spüren: Weiße Fliesen und Edelstahl dominieren die Hinterhofbrauerei. In einer Ecke stehen Säcke mit verschiedenen Malzsorten, auf einem Tisch liegen ein paar Folienpäckchen mit Brauhefe. »Jede Biersorte braucht ein eigenes Malz. Weizenmalz für Hefeweizen, Pilsner Malz für Pils, und so weiter«, erläutert Flessa. Das eigentliche Herz sind zwei jeweils 50 Liter fassende große Edelstahlzylinder, die Braubottiche.

Im September nahm die Brauerei den Betrieb auf, einen Monat später, Anfang Oktober, war das erste Hefeweizen fertig. Einen weiteren Monat später schließlich Pils und Export. »Handwerkliches Bier braucht seine Zeit«, erklärt Flessa. »Ich verzichte auf die bei den Großbrauereien üblichen ertragssteigernden Verfahren wie erhöhter Druck oder Temperatur. Das heißt nämlich auch weniger Fuselstoffe und weniger Schädel.«

Ursprünglich wollte Flessa den Traum von der eigenen Brauerei in Mexiko, wo er viele Jahre lebte und seine Partnerin herstammt, verwirklichen. Aus verschiedenen Gründen klappte das nicht und nach einer längeren Experimentierphase auf dem heimischen Balkon kratzte er 50 000 Euro zusammen, um schließlich den Betrieb in der Petersburger Straße zu eröffnen. Gerne hätte er das allein schon wegen der höheren Gewinnspanne mit einer eigenen Kneipe kombiniert, aber dafür reichte das Geld beim besten Willen nicht. Und so ist er auf der Suche nach bewusst nur regionalen Abnehmern hauptsächlich in der Gastronomie. Die »Trommel« in Mitte und das »Kater Mikesch« in Friedrichshain gehören zu den ersten Kunden. Das Angebot richtet sich aber auch an privat. Nach telefonischer Absprache verkauft Flessa auch Flaschenbier an Privatkunden.

Das Bier kommt gut an. Kein Wunder. Das Hefeweizen ist geradezu eine Geschmacksexplosion mit Ananas- und Bananennoten, die bei Industriebieren höchstens zu erahnen sind, hier aber voll durchschlagen. Auch Pils und Export kommen sehr vielschichtig daher und sind nicht so malzig wie bei vielen Hausbrauereien. Alle drei Monate gibt es auch wechselnde Spezialbiere wie Bock oder Doppelstout.

Neben großen Investitionen musste Flessa sich auch mit viel Bürokratie herumschlagen. Mit dem Ordnungsamt und auch mit Umwelt- und Veterinäramt. Nachhaltig ist für ihn vor allem der Kontakt mit dem Zoll. Für die 57 Euro Biersteuer, die er für die anfänglichen 1000 Liter Monatsproduktion zahlen muss, hatte er mit fünf Mitarbeitern von vier über die Republik verteilten Zollämtern zu tun.

Trotz allem spürt man seine Liebe zum und sein Wissen über das Produkt, wenn er es stolz zur Verkostung ausschenkt. Ein Wissen, welches er ab Januar bei Brauseminaren für Jedermann weitergeben möchte. Wie es sich für eine traditionelle Brauerei gehört, gibt es auch einen Werbereim: »Trink gut - trink besser - trink ein Flessa.«

Informationen zur Brauerei, den Seminaren und der Möglichkeit zum Direktkauf unter www.brauerei-flessa.de

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