Ein Finale - zwei Spiele

Die russische Europameisterin und Blitzschach-Weltmeisterin Walentina Gunina gewann die 7. Internationale nd-Damenschachgala in Berlin gegen die Erfurterin Elisabeth Pähtz, die nach Siegen 2006, 2007, 2010 und 2011 mit dem zweiten Platz vorlieb nehmen musste. Dahinter folgten Hanna Marie Klek (Erlangen) und Anna-Christina Kopinits (Österreich).

Bis kurz vor Schluss sah es so aus, als würde Deutschlands Vorzeigespielerin Elisabeth Pähtz den fünften Sieg in sieben Jahren feiern können. Sie hatte bei der 7. Internationalen nd-Damenschachgala im Münzenbergsaal des Verlagshauses von »neues deutschland« in Berlin zuvor keine Partie verloren und in der Vorrunde sogar ihre schärfste Konkurrentin aus Russland besiegt. Aber als es um alles ging, zeigte die 23-jährige Topfavoritin aus der Hafenstadt Murmansk nördlich des Polarkreises doch die besseren Nerven. Gunina, die momentan auf Nr. 12 der Weltrangliste geführt wird und mit dem aktuellen Elorating 2514 ohnehin um 32 Zähler vor der deutschen Spitzenvertreterin rangiert, drehte nach einem Remis im ersten Finalmatch das letzte und entscheidende Match und ging als Erste durchs Ziel.

»Leider habe ich den Gewinn verpasst«, sagte Elisabeth Pähtz hinterher. Trotzdem ist dieser zweite Platz ein schöner Auftakt für einen neuen Abschnitt in der Karriere der gebürtigen Erfurterin. Gerade hat sie einen Job als Trainerin in der Türkei beendet, sie war Coach der B-Auswahl der Frauennationalmannschaft, und will ab sofort wieder in der Heimat richtig Gas geben.

Neben Pähtz legte aber auch die zweite deutsche Spielerin im Wettbewerb eine tolle Leistung hin. Hanna Marie Klek, die U-16-Vizeweltmeisterin 2011, war nach der Papierform (Elo 2244) die Schwächste im Feld, aber die 17-jährige Mathematikstudentin wurde dennoch zur »Siegerin der Herzen«. Im kleinen Finale holte die Erlangerin zwei volle Punkte gegen Österreichs Staatsmeisterin, die zehn Jahre ältere Anna-Christina Kopinits (Elo 2247) aus Graz.

Auch die diesjährige siebenten Ausgabe des nd-Schnellturniers hat wieder gezeigt, dass sich Frauenschach keineswegs verstecken muss. Ganz im Gegenteil! Alle Begegnungen waren eine hervorragende Werbung für den Denksport und schlugen die zahlreichen Zuschauer im Münzenbergsaal in ihren Bann. Entsprechend dankte der Sportdirektor des Deutschen Schachbundes, Horst Metzing, in seiner Begrüßungsansprache den Organisatoren ausdrücklich dafür, die Damenschachgala kreiert und nun bereits zum siebten Mal in Folge veranstaltet zu haben: »Das Frauenschach hat noch immer Nachholbedarf. Deswegen bin ich sehr froh über das Engagement von neues deutschland.«

Neben dem Showdown der weiblichen Schachstars hat sich die nachdrängende Jugend in einem Begleitturnier gemessen. Hier dominierten zum ersten Mal sensationell die Mädchen, und zwar nicht nur rein zahlenmäßig (die Konkurrenz war zu fast 90 Prozent weiblich), sondern auch qualitativ. Die souveräne Nummer eins mit einer makellosen Siegesserie wurde die 12-jährige Annika Sauer aus Berlin-Spandau. Dafür durfte sie in der Pause zwischen Vorrunde und Finale auf der Bühne zwei Blitzpartien gegen die spätere Galasiegerin Walentina Gunina austragen, während sich Elisabeth Pähtz am Nebentisch dem Gewinner des nd-Schachaufgabe-Wettbewerbs stellte: Das war Anh Van Nguyen vom USV Potsdam, mit seinen erst elf Jahren ebenfalls ein Vertreter der Generation, der die Zukunft gehören wird.

Die anderen beiden Gala-Ladys, die Erlangerin Hanna Marie Klek und die Grazerin Anna-Christina Kopinits, bestritten ein Tandem-Simultan gegen den Rest der Nachwuchstruppe. Obwohl die Profifrauen am Ende wenig überraschend keinen Punktverlust zuließen, war der Betreuer der Kids, Carsten Stelter vom SC Caissa Falkensee, hoch zufrieden. Vor allem freute sich der 39-jährige darüber, dass er so viele Mädchen zur nd-Gala mitbringen konnte: »Wenn sie hier eine Spielerin wie Hanna Marie Klek sehen, die gerade ihr Abitur bestanden hat, ist das eine super Motivation, selber weiterzumachen, um sich in der Männerwelt zu beweisen.«

Spitzenschach plus Breitensport und Jugendförderung - diese Trias ist das Erfolgsrezept der nd-Damenschachgala. Das war auch die einhellige Meinung der anwesenden Experten, vom Vorsitzenden der Emanuel-Lasker-Gesellschaft, Paul Werner Wagner, bis zum Bundestrainer Uwe Bönsch. Übereinstimmend lobte man die Tatsache, dass sich Fans und Spitzensportlerinnen an diesem Tag so nahe kommen, wie es sonst bei Turnieren kaum der Fall ist. Das ist außergewöhnlich.

Wie nd-Geschäftsführer Olaf Koppe ankündigte, sind die Planungen für die achte Auflage der nd-Damenschachgala 2013 schon angelaufen - und das mit Blick auf die Schacholympiade 2014 in Tromsö. »Deshalb führen wir gerade mit den Norwegern Gespräche, um speziell etwas für das Frauenschach zu tun«, so Koppe. Vielleicht wird dann auch eine Norwegerin bei der nd-Damenschachgala dabei sein.

Vorrunde: Kopinits (Österreich) - Pähtz (Erfurt) 0:1, Gunina (Russland) - Klek (Erlangen) 1:0, Kopinits - Gunina 0:1, Pähtz - Klek 1:0, Klek - Kopinits 1:0, Gunina - Pähtz 0:1. Vorrundenendstand: 1. Pähtz 3 Pkt., 2. Gunina 2, 3. Klek 1, 4. Kopinits 0.

Finale: Pähtz - Gunina 0,5:0,5 und Gunina - Pähtz 1:0. Um Platz 3: Klek - Kopinits 1:0 und Kopinits - Klek 0:1.

Endstand: 1. Gunina 1,5 Pkt., 2. Pähtz 0,5 (aus Finale), 3. Klek 2 Pkt. (aus Spiel um Platz 3), 4. Kopinits 0.

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