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Kaum noch Daumen zum Drücken

Ohne etliche Stammkräfte starten die deutschen Handballerinnen heute in die EM in Serbien

  • Von Christoph Stukenbrock, SID
  • Lesedauer: 3 Min.
Bei der EM in Serbien gilt es für die deutschen Handballerinnen, die enttäuschende WM 2011 in Brasilien vergessen zu machen. Zum Auftakt geht es am Dienstag gegen den Olympiadritten Spanien.

Daumen drücken wird Isabell Klein nicht. Zumindest nicht den linken. Während die deutschen Handballerinnen bei der EM in Serbien um Wiedergutmachung kämpfen, wird ihre etatmäßige Spielführerin mit eingegipster Wurfhand vom heimischen Sofa aus mitfiebern. Die Ehefrau des Kieler Nationalspielers Dominik Klein ist trotz der Personalsorgen vor dem Auftaktspiel gegen den Olympiadritten Spanien heute 18.15 Uhr/Sport 1) von einem erfolgreichen Turnier überzeugt: »Über die kämpferische Komponente ist sehr viel möglich. Die Mannschaft kann das Halbfinale erreichen. Erstes Ziel sollte es aber sein, die Vorrunde zu überstehen. Wir wissen mit den vielen Verletzten ja zurzeit selbst nicht so genau, wo wir stehen.«

Neben der 28-jährigen Klein, die sich vor einer Woche die Mittelhand brach, fallen in der erfahrenen Stefanie Melbeck (Muskelfaserriss in der Wade) und Susann Müller (Meniskusriss im rechten Knie) weitere Linkshänderinnen im Rückraum aus. Dennoch denkt auch Torfrau Clara Woltering vor dem Turnier positiv: »Ich bin überzeugt davon, dass uns das noch enger zusammenschweißt.«. Nach Isabell Kleins Absage ist sie zur neuen Spielführerin ernannt worden. »Wir müssen das Beste aus der neuen Situation machen.«

In den kommenden zwei Wochen steht für die deutsche Mannschaft eine Menge auf dem Spiel. Es geht um nicht weniger als die zuletzt verloren gegangene Reputation der deutschen Handballerinnen. In Serbien gilt es, den Vorrunden-K.o. bei der EM vor zwei Jahren sowie das WM-Desaster im vergangenen Jahr mit Platz 17 und der dadurch verpassten Olympiateilnahme vergessen zu machen. »Damit beschäftigen wir uns nicht mehr. Wir haben genug Typen in der Mannschaft, die ein mögliches Scheitern nicht im Kopf haben«, sagt Klein. Sie verweist zudem darauf, dass viele Spielerinnen des Kaders den »Schaden nicht verursacht« haben.

Auch Torfrau Woltering versucht, Druck von der Mannschaft zu nehmen. »Unsere Zielsetzung ist es, von Spiel zu Spiel zu denken. Unsere volle Konzentration gilt erst einmal Spanien. Da zählt nicht mehr, was gewesen ist, sondern nur das, was an dem Tag passiert«, sagt die Torhüterin.

Der Druck lastet vor allem auf Bundestrainer Heine Jensen. Der Däne war bei der aus deutscher Sicht völlig missratenen WM in Brasilien unter Beschuss geraten, weil er nach Meinung vieler Experten mit seinen vielen Wechseln den Spielfluss seiner Mannschaft erheblich gestört hatte. In den Vorrundenspielen gegen Spanien, Ungarn und Kroatien in Novi Sad muss er nun beweisen - sich selbst und den Kritikern - dass er in der Lage ist, auch dann zu liefern, wenn es darauf ankommt.

Jensen selbst sieht das nicht ganz so eng. »Wir müssen in Serbien keine Wiedergutmachung betreiben, denn das würde bedeuten, dass wir bisher nur Mist gemacht haben«, sagte er kürzlich. Und außerdem wisse er jetzt, was bei einem so großen internationalen Turnier auf einen Trainer zukommt: »Das wusste ich in Brasilien noch nicht, da war ich wohl noch zu neu im Amt.«


Modus

● 16 Teams in 4 Gruppen

● Deutsches Team in Gruppe C gegen Spanien (18.15 Uhr), Ungarn (Mittwoch, 20.15), Kroatien (Freitag, 20.15/alle live bei Sport 1)

● Je drei Besten in Hauptrunde

● Je zwei Besten der beiden Sechsergruppen im Halbfinale

Erfolgreichste Nationen
Norwegen gewann fünf Titel. Seit 2004 waren die Skandinavierinnen immer Europameister. Zuvor gewannen Dänemark drei Turniere und Ungarn eins. Die beste deutsche Platzierung war Rang zwei beim Heimturnier 1994, gleichzeitig Premiere einer Frauen-EM. nd

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