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Endstation Desillusion

Der Dokumentarfilm »Unser Amerika« lässt nicaraguanische FSLN-Kämpferinnen zurückblicken

  • Von Volkmar Liebig und Anja Witte
  • Lesedauer: 3 Min.
15 Jahre nachdem die sandinistische Revolution an den Wahlurnen Nicaraguas abgewählt wurde, wirft »Unser America« einen Blick zurück.
Zwei uniformierte Frauen, die in die Kamera lächeln, eine Erinnerung an einen Nachmittag vor zwanzig Jahren in Nicaragua. Das Foto zeigt Magalí und Cecilia, Soldatinnen der Sandinistischen Befreiungsfront, die damals als Teil eines Frauenbatallions gegen die rechten Contras kämpften. Gemacht hat die Aufnahme die Schweizer Filmemacherin Kristina Konrad. Mitte der 80er Jahre, »als Nicaragua noch ein Land der Utopie war«. Sie selbst kam damals als »internacionalista« mit ihrer Kamera bewaffnet ins Land, um die Revolutionsstimmung, den Contrakrieg und insbesondere die kämpfenden Frauen in Bildern festzuhalten. 20 Jahre später kehrte Konrad in ein Land zurück, das so gar nicht mehr ihrem alten Bild des revolutionären Nicaragua entsprechen mag: Neonreklame wirbt an den Straßenrändern für globalisierte Markenprodukte, die Armut ist überall greifbar. Was ist mit den revolutionären Ideen von damals passiert? Dies ist die Frage, der Kristina Konrad in ihrem Dokumentarfilm »Unser America« nachgeht. Das alte Foto führt sie dazu auf die Suche nach den zwei abgebildeten Frauen und ihren ehemaligen Frente Sandinista-Mitstreitern. Sie trifft Josefina, eine compañera aus dem Frauenbatallion mit Talent zur Komik. Diese spielt eindrucksvoll eine Situation nach, wie sie sich Ende der 70er Jahre lediglich mit einem Stock bewaffnet aufmachen musste, um für die Frente Waffen zu besorgen. Ihre Augen leuchten angesichts der Erinnerung und für einen Moment scheinen die letzten 20 Jahre kaum vergangen zu sein. Für andere offenbart sich in der Erinnerung an damals vor allem ihre Resignation. Der Kampf gegen die Diktatur Somozas sei in jedem Fall richtig gewesen und würde niemals bereut werden. Von der »sandinistischen Mystik« sei aber heute nicht mehr viel übrig - ausgeträumt der Traum der Tausenden. Auch die Ex-Guerilleras Magalí und Cecilia, die Kristina Konrad schließlich findet, sind im Herzen Sandinistinnen geblieben. Doch seit der Abwahl der Sandinisten 1990 hatten sich ihre Wege getrennt. Die Erinnerungen an alte Zeiten, an ihre Träume und Ideale leben auf bei ihrem Zusammentreffen. Die Anwältin Magalí hätte ohne die Förderung durch die SandinistInnen niemals Jura studieren können, erzählt sie. Warum sie selbst ihren Kindern bis heute so wenig von ihrer bewegten Vergangenheit erzählt hat, bleibt unklar. Konrad blendet zwischen ihre aktuellen Interviews immer wieder Sequenzen aus dem Film, den sie vor 20 Jahren gedreht hat. Auf Zelluloid gebannte Erinnerungen in Schwarz und Weiß verweben sich mit den Bildern der Menschen, während sie erzählen und zurückblicken. Dabei ist eine sehenswerte Zeitzeugendokumentation entstanden. Ein bald lustiger, bald nachdenklicher und durch eine exzellente Kameraführung bisweilen skurril verfremdeter Blick auf kleine Geschichten und Anekdoten, die in Nicaragua erinnert werden. Zugleich zeigt der Film aber auch die sehr persönliche und subjektive Sicht der Filmemacherin Konrad. Aus dem Off bedauert sie, dass das »heutige Managua nicht mehr das revolutionäre ist« und heute auch die FSLN eine normale Partei und zudem korrupt sei. Dass die Frente schon in den 80er Jahren nicht unbedingt eine transparente Struktur hatte, spricht sie nicht an. Sie nimmt sich den Luxus, auf Kritik zu verzichten, wie sie selbst einräumt. Und so wirkt der Rückblick in die nicaraguanische und die persönliche Geschichte der Filmemacherin leicht verklärt. »Unser America«, Schweiz 2005, 84 Minuten, Regie: Kristina Konrad. OmengU, Kinostart: 3.11.

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