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Bildungsoffensive im Herbst

Ostdeutsche Nichtregierungsorganisationen organisieren landesweite Informationstage

  • Von Marion Berlauer
  • Lesedauer: 4 Min.
Seit 1994 finden in den östlichen Bundesländern, ausgehend von Thüringen, so genannte entwicklungspolitische Bildungs- und Informationstage statt. Auch in diesem Herbst gibt es wieder Anschauliches zur Lage in der so genannten Dritten Welt.
»Kaffee statt Koka« - mit diesem Programm wollen die Ökobauern »Nuevo Futuro« in einem Dorf in Kolumbien den Einzug von Drogen und Gewalt in ihr Dorf verhindern. »Weil wir keine Koka anpflanzen, ist der Krieg nicht hier«, berichtet einer der Bauern, der dazu beigetragen hat, dass in ihrem Gebiet noch Frieden herrscht. Erzählt wird diese Geschichte von den beiden Schauspielern des Pantheaters, Andreas Peckelsen und Michael Leye, die in ihren Theaterstücken ihre Reiserlebnisse verarbeiten und für ein junges Publikum aufbereiten. Ende Oktober waren die Schauspieler in Neubrandenburg zu Gast und führten ihr Stück »Alles normal in Kolumbien« vor 69 Schülern der 11. Klasse der Neubrandenburgischen Beruflichen Schule für Wirtschaft, Handwerk und Industrie auf. Leyen und Peckelsen erzählten von Menschen auf der Suche nach der im Krieg verloren gegangenen Identität sowie von jenen, die ihre Hoffnung noch immer nicht verloren haben. Die Schüler erhielten ein authentisches Bild über den Alltag in Kolumbien und wurden zum Nachdenken angeregt. Das Schauspiel ist eine von vielen Veranstaltungen im Rahmen der Entwicklungspolitischen Bildungs- und Informationstage (BITs) in Mecklenburg-Vorpommern. Doch nicht nur in Mecklenburg-Vorpommern sensibilisiert die entwicklungspolitische Szene in diesen Wochen die Öffentlichkeit für entwicklungspolitische Fragestellungen. Auch in Sachsen, Thüringen, Brandenburg und Berlin bündeln Nichtregierungsorganisationen ihre Kräfte und führen landesweite Bildungs- und Informationstage durch. Dafür setzen sich die Landesnetzwerke in Zusammenarbeit mit über 80 entwicklungspolitisch orientierten Vereinen und Organisationen ein und bewerkstelligen Großes: Mit über 500 Veranstaltungen haben sie auch in diesem Jahr mehrere Tausend Zuschauer begeistern können. Inhaltlich konzentrieren sich die diesjährigen BITs auf die Themen Bildung für nachhaltige Entwicklung, Globalisierung, Konsum und Fairer Handel. So liegt auch der thematische Schwerpunkt des diesjährigen Bildungsprogramms der »Import Shop«-Messe in Ber-lin auf dem Thema »Grundbedürfnisse in aller Welt«. Schülern den globalen Zusammenhang aufzeigen Entstanden sind die BITs 1994 als Thüringer Entwicklungspolitische Bildungs- und Informationstage (THEBIT). Seither arbeiten die Initiatoren daran, durch die jährlichen Bildungsinitiativen das Thema »nachhaltige Entwicklung« umfassend und dauerhaft in die deutschen Bildungseinrichtungen zu integrieren. Gleichzeitig soll ein Beitrag zur Umsetzung des zweiten Millenniumsentwicklungszieles »Bildung für alle« geleistet werden. Das Hauptaugenmerk der Veranstalter liegt entsprechend auf der schulischen Bildungsarbeit. Neben den zahlreichen öffentlichen Veranstaltungen während der BITs bieten die Veranstalter ein breit gefächertes, ganzjähriges Angebot für die Schulen des jeweiligen Bundeslandes in Form von Vorträgen, Theaterstücken, Lesungen, Erlebnisausstellungen und vielem mehr an. So wird versucht, den Schülern die globalen Zusammenhänge anhand von Beispielen aus dem alltäglichen Leben sichtbar zu machen und aufzuzeigen, dass es alternative Handlungsmöglichkeiten gibt. Wie ein Beispiel der Brandenburgischen Entwicklungspolitischen Bildungs- und Informationstage (BREBIT) zeigt, erschöpft sich auch das Engagement der Schüler nicht in der Teilnahme an den Bildungstagen: Die Schüler des Gymnasiums auf den Seelower Höhen griffen das diesjährige Thema »Nachhaltiger Konsum« mit einem Theaterstück auf. Dies wurde nicht nur mit viel Freude und großem Engagement präsentiert, sondern wird auch über die BREBIT hinaus an unterschiedlichen Orten in Brandenburg aufgeführt. Die Bildungsinitiativen der neuen Bundesländer bieten den Jugendlichen eine neue Plattform, auf der sie ihre kreative Bearbeitung entwicklungspolitischer Themen in der Öffentlichkeit präsentieren können. Dies ist vor allem auch deshalb ein großer Erfolg, weil es zunehmend schwieriger wird, die Jugendlichen für globale Zusammenhänge zu interessieren. Während der Auftaktveranstaltung, an der Brandenburgs Bildungsminister und Schirmherr der BREBIT 2005, Holger Rupprecht, teilnahm, wurde auf ein weiteres Problem hingewiesen: Durch den äußerst geringen Spielraum für alternative Themen innerhalb der Lehrpläne werde es den Lehrkräften zusätzlich erschwert, entwicklungspolitische Aspekte in ihren Unterricht zu integrieren. Selbst an kleinen Orten attraktive Veranstaltungen Die Initiatoren bemühen sich zudem, auch an kleineren Orten mit attraktiven Veranstaltungsangeboten präsent zu sein und neue Akteure aus weniger entwicklungspolitisch interessierten Kreisen zu gewinnen. Beides konnte im Rahmen einer Beat-Akademie im Jugendhaus in Bautzen während der Bildungs- und Informationstage in Sachsen (SEBIT) erreicht werden. Hier nahmen nicht nur Jugendliche aus Bautzen und Kolumbien teil, sondern in Zusammenarbeit mit einem Berliner Rapper gestalteten die Jugendlichen einen Workshop und führten gemeinsam ein Abschlusskonzert auf. Eine erste Zwischenbilanz der BITs fällt gut aus: Den Veranstaltern gelang es trotz knapper Mittel erneut, weitere Akteure zu gewinnen, die Zahl der Veranstaltungen zu steigern und noch mehr Besucher anzulocken. Uwe Prüfer, Mitglied des Verbundes entwicklungspolitischer Nichtregierungsorganisationen Brandenburgs e.V. (VENROB), benennt einen weiteren Erfolg: »Durch die BITs ist es gelungen, die NRO-Szene auf Landesebene weiter zu vernetzen und zu stärken!« In diesem Sinne soll im nächsten Jahr auch die Kooperation zwischen den landesweiten BITs ausgebaut werden, um so die Wirkung und Popularität der Bildungstage zu verstärken. Weitere Informationen zu den Bildungs- und Informationstagen: www.nord-sued-bruecken.de

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