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Das weiße Diamantengeschäft

Südafrikas Regierung will für Black Empowerment sorgen

  • Von Hanna Ndlovu, Kapstadt
  • Lesedauer: 3 Min.
Der wichtigste südafrikanische Wirtschaftszweig, die Bergbaubranche, wehrt sich bislang erfolgreich gegen größere Beteiligungen schwarzer Investoren. Im Diamantensektor sollen die nun durch ein Gesetz gefördert werden.
Die südafrikanische Regierung will den Diamantenhandel staatlich kontrollieren und hat dafür ein Gesetz erarbeitet. De Beers und AngloAmerican - die beiden in Südafrika ansässigen internationalen Konzerne beherrschen den Diamantenhandel weltweit - haben lautstark dagegen protestiert und gedroht, weitere Arbeitskräfte zu entlassen. Aber die Regierung lässt sich dadurch nicht beirren. Nachdem der Gesetzesentwurf in dieser Woche vom Ausschuss für Bodenschätze und Energie befürwortet wurde, steht aufgrund der ANC-Mehrheit im Parlament von Kapstadt einem Ja nichts mehr im Wege. Noch in diesem Monat dürfte das Gesetz verabschiedet werden. Es sieht eine Übergangszeit von einem Jahr vor, während der eine Nationale Vermarktungsgesellschaft gegründet werden soll, die etwa 15 Prozent aller in Südafrika gefundenen Rohdiamanten aufkaufen und im Lande selbst verarbeiten lassen wird. Dadurch wird neu zu gründenden Firmen mit schwarzen Eigentümern die Möglichkeit gegeben, in dieses lukrative Geschäft einzusteigen und hier ebenfalls Gewinne zu machen. Der Staat will darüber hinaus den Diamantenexport mit einer Steuer zwischen fünf und zehn Prozent belegen, um seine Einnahmen zu erhöhen. Die Maßnahmen sollen dazu beitragen, die industrielle Basis zu vergrößern, und bei der versprochenen Halbierung der horrend hohen Arbeitslosenrate von gegenwärtig 40 Prozent helfen. Südafrika ist der weltdrittgrößte Diamantenproduzent. Bisher lief die Vermarktung ausschließlich über die entsprechende De-Beers-Niederlassung in London. Die Verarbeitung findet in großem Stil in erfahrenen Werkstätten in Europa statt. In Südafrika arbeiten nur kleinere Werkstätten, etwa die an der Diamantenmine in Cullinan bei Pretoria angeschlossene betriebseigene Schleiferei. Das Diamantengesetz ist zudem ein weiterer Meilenstein auf dem Wege des »Black Empowerment«, einer Beteiligung des Staates sowie schwarzer Investoren an den bisher fast ausschließlich von weißen Südafrikanern und dem internationalen Kapital ausgebeuteten Bodenschätzen des Landes. Der Gewerkschaftsdachverband COSATU geht noch einen Schritt weiter und fordert eine direkte staatliche Kontrolle über die Gold- und Platinexporte. Schon im vergangenen Jahr verabschiedete das Parlament eine neue Bergbaucharta, die eine 15-prozentige Beteiligung schwarzer Unternehmer an allen südafrikanischen Minen in den nächsten fünf Jahren fordert. Zuerst wollte die südafrikanische Regierung eine paritätische Beteiligung durchsetzen, was die Bergbaugesellschaften strikt ablehnten und den Abzug internationalen Kapitals zur Folge hatte. Auf Druck der Industrie wurde dann in der Charta auf alle Passagen verzichtet, die auch nur irgendwie nach Verstaatlichung oder mögliche Gewerkschaftseingriffe ohne Unternehmenswohlwollen aussahen. Auch die alten Konzessionsrechte blieben unangetastet. Die Branche hat mittlerweile potentiellen Investoren Kredite in Höhe von 100 Milliarden Rand (12,5 Milliarden Euro) angeboten; um diese Summe wurde der Fonds der Industrial Development Corporation, einer Förderungsgesellschaft für schwarzes Unternehmertum, aufgestockt. Auch die regierungsamtliche Entwicklungsbank für das Black Empowerment soll mithelfen, das 15-Prozent-Ziel zu erreichen. Bislang liegt die schwarze Beteiligung im Bergbau erst bei drei Prozent.

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