Russland rüstet sich für Kampf um die Arktis

Vizepremier Rogosin sieht Moskaus Souveränität in der Region bedroht

  • Von Irina Wolkowa, Moskau
  • Lesedauer: 2 Min.
Verliert Moskau den Kampf um die Arktis, drohe Russland schon zur Mitte des 21. Jahrhunderts der Verlust der staatlichen Souveränität. Russlands Vizepremier Dmitri Rogosin beschwor mit dieser Aussage am Dienstag ein düsteres Szenario herauf.

Dmitri Rogosin war vor seiner Erhöhung zum Vizepremier Russlands Botschafter bei der NATO. Und in dem westlichen Militärbündnis sieht er auch den Hauptgegner im Kampf um die Naturreichtümer im Nördlichen Eismeer. Dort werden mehr als ein Viertel der weltweiten Öl- und Gasvorkommen vermutet. Sobald die Nordostpassage infolge der globalen Erwärmung ganzjährig eisfrei und damit schiffbar wird, warnte Rogosin, werde der Kampf um die Bodenschätze »völlig unzivilisierte Formen annehmen«.

Ganz aus der Luft gegriffen sind derartige Befürchtungen nicht. Als Antwort auf russische Bemühungen um die Ausdehnung seiner 200-Meilen-Wirtschaftszone im Nordpolarmeer drohten auch die anderen Polanlieger - allen voran die USA, Kanada und Großbritannien - mit der Formierung eigener Schiffskonvois für Polfahrten. Auch die NATO will Verbände in die Region entsenden, »um die zivile Schifffahrt zu sichern«. Die sollen sogar mit dem Lenkwaffensystem Aegis bestückt werden. Russische Militärs meldeten bereits ihre Bedenken an: Damit, so auch Rogosin, würden die »derzeitigen internationalen Formate von Sicherheit und Zusammenarbeit in der Arktis« zerstört.

Für Russland sei es daher »extrem wichtig«, seine nationalen Interessen in der Region abzustecken. Worten folgten bereits Taten. Die russische Marine hielt im September in der Kara-See - einem Randgewässer des Nordpolarmeers - Manöver ab, bei denen der »Schutz der nationalen Interessen Russlands in der Arktis« geübt wurde. Bis 2015 soll zudem die Aufstellung einer Arktischen Brigade der Armee in der Region abgeschlossen werden. Auch wurden nach dem Ende der Sowjetunion 1991 stillgelegte Forschungs- und Wetterstationen in der Arktis wieder in Betrieb genommen. Und das Ministerium für Katastrophenschutz begann bereits mit dem Bau mehrerer moderner Rettungszentren in der extrem dünn besiedelten und bisher kaum erschlossenen Region. Dazu kommt ein langfristiges Förderprogramm.

Allein bis 2020 wollen Staat und Privatwirtschaft rund 1,3 Billionen Rubel - 33,5 Milliarden Euro - in die Entwicklung der Arktis investieren. Schwerpunkt sind neue Transportkorridore für die Erschließung und Ausbeutung von Energievorkommen.

nd-Karte: W. Wegener

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