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Es sind immer die Andern ...

Intoleranz sieht die Evangelische Kirche vor allem bei Muslimen

Die Evangelische Kirche befasst sich mit dem Thema »Tolerant aus Glauben«. Doch die innerkirchlichen Probleme spielen nur eine Nebenrolle.
Sind Christinnen und Christen tolerant trotz ihres Glaubens? Oder gerade wegen ihrer religiösen Überzeugung? »Christinnen und Christen sind nicht tolerant, obwohl sie fest glauben, sondern weil sie fest glauben!« - so versuchte die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland diese Fragen in einem Kundgebungsentwurf zu beantworten. Dabei ist mit dem Begriff der Toleranz aus Sicht der EKD nicht nur die Duldung andersdenkender und -glaubender Menschen gemeint, sondern die Anerkennung und der Respekt vor anderen Lebenswirklichkeiten. In ihrem Eingangsreferat zum Schwerpunktthema gab die Journalistin Elisabeth von Thadden einen Überblick über die europäische Geschichte der Toleranz. Der europäische Toleranzbegriff betone den Respekt unter strukturell Gleichen, die wechselseitige Anerkennung von Gemeinschaftsmitgliedern und ihrer Rechte. Daraus folge, dass ein Gemeinwesen weltanschaulich neutral sein sollte. Toleranz fände allerdings ihre Grenze in der Intoleranz. Kennzeichnend war in von Thaddens Vortrag allerdings, dass Beispiele für Intoleranz aus dem muslimischen Kontext genannt wurden. Von christlichem Fundamentalismus war nicht die Rede. Der Vorsitzende des Kundgebungsausschusses, Hermann Gröhe, bemängelte allenfalls die »geistige Enge«, die bei manchen Christen herrschen würde, ohne konkrete Beispiele zu nennen. Ein - so scheint es - zu heißes Eisen, da sich auch immer wieder Synodale gegen gleichgeschlechtliche Partnerschaften und interreligiösen Dialog aussprechen oder die Missionierung von Juden propagieren. In der anschließenden Diskussion gab es auch Kritik am Entwurf der Kundgebung. Bemängelt wurde vor allem, dass das Papier starr und unkonkret wirkte. Die Synodale Lengelsen sprach sich dafür aus, in Zukunft auch gegenüber den ökumenischen Partnern Intoleranz anzusprechen. So würden immer noch in einigen Kirchen HIV-Infizierte und AIDS-Kranke als »Sünder« bezeichnet und ausgrenzt. Insgesamt seltsam glatt und wenig kontrovers ging ein wichtiges Thema für evangelische Kirche in einer multireligiösen Gesellschaft unter. So war zwar vom Wunsch die Rede, das »protestantische Profil« zu schärfen. Allerdings gehen in der Synode selbst die Meinungen auseinander, wie dieses Profil nun genau aussieht. Und wieso eigentlich »protestantisches Profil«, wo doch im Zeitalter der interreligiösen Ökumene die Betonung der gemeinsamen Werte ein wirksameres Signal gegen Fundamentalismus jeglicher Couleur wäre? Auch die Fixierung auf die BRD wird der Kundgebung zum Nachteil gereichen. So gibt es keine Kritik am evangelikalen Christentum, dass in den USA mittlerweile seine Machtzentrale im Weißen Haus hat und die säkulare Gesetzgebung immer mehr verändert zugunsten einer biblischen Gesetzlichkeit. Ein Synodaler schlug deshalb vor, »das Papier mit herzlichem Dank« beiseite zu legen. So weit sollte es dennoch nicht kommen. Es bleibt zu hoffen, dass in den Beratungen der Ausschüsse am Mittwoch Konkretion und Biss in diese Kundgebung kommt, damit sich die EKD als Kirche mit Standbein und Spielbein erweist - gefestigt in der Verkündigung der befreienden Liebe Gottes für alle Menschen und respektvoll im Dialog mit anderen Religionen und Weltanschauungen. Die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist als Kirchenparlament das höchste Entscheidungsgremium der protestantischen Christen. 215 Mitglieder aus den Landeskirchen und den Kirchenleitungen entscheiden einmal im Jahr über inhaltliche Impulse und den Haushalt und äußern sich zu aktuellen Fragen. www.ekd.de/synode

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