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Der Butler lässt Diabolos kreisen

Staunen, Heiterkeit und Großmutters Worte im 60. Wintergarten-Programm

  • Von Matthias Busse
  • Lesedauer: ca. 1.5 Min.
In der neuen Show »Circo Massimo« des Wintergarten Varietés schlägt die Stunde des Artisten-nachwuchses. Das seit Eröffnung des Vergnügungstempels 1992 mittlerweile 60. Programm vereint Artisten aus vier Ländern. Zwei Newcomerinnen haben an der Berliner Fachschule für Ballett und Artistik studiert. Die 21-jährige Andrea Engler trat nach ihrem Abschluss 2004 schon am Stuttgarter Friedrichsbau auf. In ihrer Darbietung an einem breiten roten Vertikalschal zeigt sie nicht nur harmonische Bilder aus Körper und Stoff, sondern bietet auch spektakuläre Abrollfiguren aus luftiger Höhe. Für Überraschung sorgt Sarah Trägner, die sich nach der diesjährigen Zeugnisausgabe nicht erst in der Provinz bewähren musste, sondern gleich für den Wintergarten engagiert wurde. Wenn die 19-Jährige in grellorangem Trikot mit ausladenden Schößen über das Schlappseil tanzt, dann hat sie sich in ein koboldhaftes Wesen verwandelt. Kostüme, Komposition und Choreografie entwickelte sie zusammen mit Profis außerhalb der Schule. Der Schwierigkeitsgrad ist ausbaufähig, den Reiz aber macht Trägners Präsentation aus. Weniger glücklich hat das Duo Olympia seine Hand-auf-Hand-Darbietung verpackt. Ihr Berlin-Debüt bestreiten die Brüder aus Sibirien in der Kostümierung von Marmorstatuen auf barockem Sockel. Es irritiert die - zweifellos gekonnte - kraftmeierische Athletik. Beide sollten lieber ihre jugendliche Spitzbubenhaftigkeit ausspielen. Schließlich will das Publikum nicht nur über Leistungen staunen, sondern auch erheitert werden. Der Franzose Gilles le Leuch erreicht beides wiederholt im Wintergarten. Als stocksteifer Butler lässt der hagere Jongleur beiläufig Diabolos kreisen, so dass sein regloses Gesicht vor Verwunderung zuckt. Zu den Klängen des Kaiserwalzers in Kerzen geschmückter Ballsaal-Atmosphäre ist das eine genauso runde Sache wie das federleichte Ballett der Boytsov-Truppe auf dem sonst eher behäbigen Russischen Barren. Beim Magier Nestor Hato wechseln nicht nur die Karten zu pyrotechnischem Funkenregen ihre Farben, sondern verwandelt sich sogar der Franzose vom rotschopfigen Pumuckl in Mephisto. Über weite Strecken enttäuschte der italienische Komiker Massimo Rocchi, Namensgeber des Programms. Dabei sind seine Zirkus-parodien als Schulreiter oder dressiertes Kamel gut beobachtet und umgesetzt. Als Quasselstrippe hätte er besser auf seine Großmutter gehört. Wie sagte la nonna doch immer? »Al...

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