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Lob des »Ulysses«

Der »Ulysses« nach Joyce erhält im März den Preis für das Hörspiel/Hörbuch des Jahres 2012. Eine 21-Stunden-Produktion von SWR und Deutschlandfunk (Leitung: Klaus Buhlert, Manfred Hess). Anspruchsbewusster kann nicht gezielt werden. Ein Schauspielerstimmenfest.

Das Hörspiel lebt, nicht nur in den Wertungslisten der Intelligenzija. Die Rundfunksender melden Quotenerfolge. Glanz des Randes, dort, wo ein Erlebnisdrang noch nachbarschaftlich an die Techniken der Fantasieanregung rührt. Klassiker klopfen plötzlich ans Gedächtnis: Eich, Hildesheimer, Dürrenmatt, Becker, Bieler, Kohlhaase, Rentzsch, Rücker. O Zeiten! Das moderne Hörspiel ist zwar auf vielfache Weise geräusch-polyphoner geworden, aber Hauptsache, Kunst bleibt ihrem Auftrag treu, irritierend in unmittelbare Erfahrungsbestände einzubrechen. Wer im Leben keine Furcht vor Überforderung, vor Störungen des selbstgebastelten Kokons hat, kommt auch damit bestens klar.

Der große Theaterregisseur Alvis Hermanis aus Riga sagt: Leute, die abends Bücher lesen oder Radio hören, unterscheiden sich sehr von jenen, die zu dämmernder Stunde Fernseher einschalten. Wenn die Zeit solcher Leser nicht vorbei ist, ist auch die Zeit der Hörer nicht vorbei: Beides ist Erhebung gegen den Sinn der Abschaltung. Eine leise kämpfende Konfession. Die Zeit drängt - doch nur dem Hastenden. Um den Stillwerdenden sammelt sie sich.

Gut gewendetes Schicksal eines furchtbaren deutschen Erziehungsgebotes: Wer nicht hören will, muss fühlen? Wer fühlen will, muss hören. Nicht nur am Radio.

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