»Vom Recht verlassen«

Der Kreuzberger Ali Gülbol wehrt sich gegen die drohende Räumung

Seit 35 Jahren wohnt Ali Gülbol im selben Haus in Berlin-Kreuzberg. Jetzt soll die fünfköpfige Familie aus ihrer Wohnung raus, weil sie eine Frist versäumte. Den ersten Räumungsversuch am 22. Oktober verhinderten 150 Leute. Ein zweiter Termin, der für gestern anberaumt war, wurde kurzfristig verschoben. Ines Wallrodt sprach mit dem 41-jährigen Malermeister, wie es weitergehen soll.

Das Schild »Stopp Zwangsräumung« war schon vorbereitet. Ali Gülbol wohnt hier in der ersten Etage und will dort auch bleiben.

nd: Eigentlich hätte Ihre Familie am Mittwoch geräumt werden sollen, der Termin wurde aber abgesetzt. Was geht Ihnen an einem solchen Tag durch den Kopf?
Ali Gülbol: Das ist wie ein aufgeschobene Hinrichtung.

Ist es nicht auch ein gutes Zeichen?
Doch. Es ist ein Erfolg, dass man die Hinrichtung verschoben hat. Ohne den angekündigten Protest von Initiativen und Parteivertretern wäre das bestimmt nicht passiert. Noch gibt es keinen neuen Termin. Meine Anwältin hat außerdem doch noch Rechtsmittel beim Bundesgerichtshof eingelegt. Sie sieht eine letzte Chance. Wir haben ein klein wenig Hoffnung, dass vielleicht doch alles gut wird.

Was bedeutet Ihnen diese Wohnung in der Lausitzer Straße?
Es ist unser Leben. Ich bin hier aufgewachsen, meine Kinder sind hier geboren. Das ist unser Zuhause.

Die Auseinandersetzung mit dem Vermieter läuft seit Jahren. Können Sie trotzdem kurz zusammenfassen, warum Ihre Familie auf die Straße gesetzt...



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