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Eichen sollen nicht weichen

Bekämpfung des Schädlings Prozessionsspinner nächstes Jahr im großen Stil

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 3 Min.

57 Prozent der märkischen Wälder weisen derzeit keine Schäden auf und lediglich zehn Prozent haben starke Schäden. Zu diesem Befund kommt der aktuelle Waldzustandsbericht, den Agrarminister Jörg Vogelsänger (SPD) gestern vorstellte. Die Situation habe sich insgesamt weiter verbessert. Den Bäumen sei das Wetter der vergangenen Jahre mit viel Regen im Sommer gut bekommen. Um das Jahr 2003 herum, als es besonders heiße und sehr trockene Sommer gab, hatte es schlechter ausgesehen.

Um den Waldzustand beurteilen zu können, beobachten Förster die Baumkronen. Wissenschaftler werten die Daten aus. Das Ergebnis: 63 Prozent der in Brandenburg dominierenden Kiefer sind völlig in Ordnung, bloß drei Prozent weisen deutliche Schäden auf.

Probleme bereiten jedoch die Eichen. 41 Prozent von ihnen sind deutlich geschädigt, nur zehn Prozent gesund. Ein Eichensterben hat es in der Vergangenheit im norddeutschen Raum immer mal wieder gegeben, so 1739 bis 1748, 1911 bis 1924, 1929 bis 1934 und 1939 bis 1944. Verantwortlich waren Trockenheit, strenger Frost oder Kahlfraß durch Insekten. Wie die Zahlen zeigen, besserte sich die Situation früher nach ein paar Jahren immer wieder. Das jetzige Eichensterben hält aber seit Anfang der 1980er Jahre an, was sehr bedrohlich wirkt.

In dieser Lage bereitet der zusätzlich auftretende Schädling Eichenprozessionsspinner große Sorgen. Er hat sich in Westbrandenburg explosionsartig ausgebreitet. Die Nachbarländer Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern haben ähnliche Probleme. Für das kommende Jahr bereitet das Agrarministerium eine Bekämpfung des Schädlings im großen Stil vor, um die Gefahr einzudämmen. 1,7 Millionen Euro sind dafür vorgesehen. 18 Tonnen des Insektizids DipelES sollen gekauft, in einer Halle der Oberförsterei Borgsdorf eingelagert und von dort aus verteilt werden.

DipelES genießt den Vorteil, andere Arten und auch Menschen kaum zu beeinträchtigen, während die Larven des Eichenprozessionsspinners heftige allergische Reaktionen auslösen. Das Insektizid beruht auf dem Patent einer japanischen Firma, die in den USA produzieren lässt. Die Monopolstellung erlaubt es, kräftig abzukassieren. Vogelsängers Referatsleiterin Birgit Korth muss gegenüber dem Vorjahr einen Preisaufschlag von 30 Prozent einkalkulieren. Dabei kann sie sich noch glücklich schätzen, wenn sie die 18 Tonnen wirklich bekommt. Lieferengpässe sind nicht unwahrscheinlich. Das Versprühen aus der Luft hat bislang 220 Euro pro Hektar gekostet, wobei 80 Euro für das Mittel selbst aufgewendet worden sind.

Möglicherweise werden die 18 Tonnen DipelES aber im kommenden Jahr gar nicht gebraucht. Wenn es im April anständig Frost geben sollte, würde das die Population des Eichenprozessionsspinners derart beeinträchtigen, dass der Einsatz des Mittels für diese Saison überflüssig wird. Das wäre kein Beinbruch, weiß der Agrarminister. DipelES sei drei bis fünf Jahre haltbar.

Bayern hat unterdessen den Eichenprozessionsspinner schon so gut wie überstanden. Dort befindet sich der Schädling aus unerklärlichen Gründen auf dem Rückzug. So etwas kommt in der Natur vor. Die Bäume halten am Ende doch mehr aus, als man denkt. Referatsleiterin Korth erinnerte daran, dass die Rosskastanie den Schädling Miniermotte ebenfalls überlebt habe, was man einige Jahre zuvor nicht für möglich halten wollte.

Die bereits angegriffenen Eichen werden sich wahrscheinlich fast alle erholen, erwartet Korth. Aber sie werden nie wieder so vital sein wie einst. Das ist schlimm genug. Denn vor allem mit Buchen und mit Traubeneichen wird versucht, die traditionelle Kiefernmonokultur in Brandenburg aufzubrechen. Angesichts der Schwierigkeiten bei den Eichen müsse man auch an Linde, Ahorn, Birke und Eberesche denken, um gesunde Mischwälder zu bekommen, heißt es.

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