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Jahreswechsel in Berlin

Should I stay or should I go?

  • Von Sarah Liebigt und Martin Kröger
  • Lesedauer: 3 Min.
Silvestersause der Superlative: Kein freies Hotelzimmer nirgends. In Berlin wollen zwei Millionen Gäste den Jahreswechsel feiern. Polizei und Feuerwehr haben sich auf den Ausnahmezustand eingestellt. Für viele Berliner ist das Ganze jedoch zu laut, zu grell und generell zu viel. "nd"-Redakteure diskutieren im Pro- und Contra: Mitfeiern oder nüscht wie weg?

Hoch die Tassen: Martin Kröger findet Berlin zu Silvester Klasse

Berlin ist Spitze. Erst recht zu Silvester. Da rangiert die Stadt bezüglich des Amüsementfaktors inzwischen auf Augenhöhe mit New York. Die europäische Konkurrenz von London und Paris hat die Spreemetropole sowieso, was die Festivitäten zum Jahreswechsel angeht, seit längerem hinter sich gelassen. Wer es also richtig krachen lassen will, ist deshalb in Berlin genau richtig: Hier gibt es Glamour, Party und Ekstase – ohne Ende, die ganze Nacht.

Sicher, der Jahreswechselrausch ist nichts für zartbesaitete Gemüter. Immun gegen laute Böller und blitzende Raketen zu sein, ist von Vorteil. Um mit dieser Problematik umzugehen, gibt es jedoch einen ziemlich simplen Trick: Ganz einfach zwischen zehn Uhr und ein Uhr nachts die Straßen meiden. Zu späterer Stunde haben sich die jungdynamischen Sprengmeister ausgetobt. Oder ihnen ist die Munition ausgegangen. Laufen, Bus- oder S-Bahnfahren sind wieder einigermaßen möglich. Es ist zumindest nicht ungefährlicher als an anderen Tagen des Jahres auch.

Ob es sich lohnt, den Massenauflauf am Brandenburger Tor mitzumachen, ist Geschmackssache. Fakt ist, dass man zu Silvester in Berlin in den Genuss einer gänzlich anderen Stadt kommt: Zwei Millionen Besucher, unter ihnen viele aus dem Ausland, sind zu Gast. Die ohnehin internationale Metropole wird noch vielfältiger. Für kontaktfreudige Menschen ist das eine einmalig günstige Situation, um andere kennenzulernen. Wem das alles zu viel ist, wer aber trotzdem feiern und tanzen will, schläft einfach vor und geht erst frühmorgens aus. Clubs haben immer geöffnet. Hoch die Tassen!

Elch und Rommé: Sarah Liebigt feiert lieber in schwedischen Wäldern

Draußen ist es so dunkel, dass man die Hand nicht vor Augen sieht, und so still, dass man den Schnee von den Ästen rieseln hört. Über den Jahreswechsel wird das rotbraune Haus mit den weißen Fensterrahmen zum von Kaminfeuer beleuchteten Idyll. Tagsüber wandern in knietiefem Schnee, abends kochen am mit Holz befeuerten Herd. Berlin ist gut 760 Kilometer weit weg: Spätestens nach drei Tagen im südschwedischen Wald ist die Routine wieder da, die vielmehr gehegte und gepflegte Tradition ist denn tumbe Wiederholung.

Der 31.Dezember weicht ein wenig davon ab. Abendbrot gibt's früher, dafür werden die Lesestunden ausgedehnt bis etwa 21.30. Dann erst werden die Rommékarten herausgeholt. Gegen 23 Uhr widmen sich zwei der anwesenden sechs Personen dem Zubereiten der Schnittchen: Baguette, Lachs, schwedischer Schinken, eingelegte Pilze und Gurken, saure Fischhappen. Viertel vor macht es plopp, und der Sekt sprudelt. Die letzten Minuten begleitet die Liveübertragung der Silvesterfeierlichkeiten in Stockholm, punkt zwölf tönt es: »Ring, klocka, ring!«

Prosits, Umarmungen, Glückwünsche, Gläserklirren, und schließlich geht es hinaus in die bitterkalte Nacht. Wunderkerzen, Raketen, Silberfontänen – und in der Ferne kündet buntes Leuchten über den Baumwipfeln von anderen Neujahrsbegrüßungen. Erschrecken vor tonnenweise Böllern muss sich hier keiner. Nur die Elche stehen vermutlich mit angelegten Ohren mürrisch und träge hinter uns im Wald: Hoffentlich herrscht bald wieder Ruhe! Tut sie. Schon gegen ein Uhr gucken alle wieder auf ihre Karten.

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