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Junge Wächter für Rosa und Karl

  • Von Jérôme Lombard
  • Lesedauer: 2 Min.

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Die sozialistisch-zionistische Jugendgruppe »Haschomer Hatzair« wurde 2012 in Deutschland wieder gegründet. Sie ist Teil des Jugendbündnisses »Rosa und Karl«, das im nächsten Jahr eine alternative Gedenkdemonstration für die beiden ermordeten Sozialisten organisiert.

Das Blauhemd mit den weißen Kordeln am Kragen ist das traditionelle Erkennungszeichen eines Schomer Hatzair - eines jungen Wächters. Seit August dieses Jahres wird es wieder in Deutschland getragen. Auch bei der alternativen Gedenkdemonstration für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht in diesem Jahr wird es zu sehen sein. Nach 74 Jahren gründete sich die deutsche Sektion der sozialistisch-zionistischen Jugendbewegung »Haschomer Hatzair« im letzten Jahr in Berlin wieder.

Die jüdische Jugendorganisation, die ihre Ursprünge 1914 in Galizien im damaligen Österreich-Ungarn hat, war ab 1938 in Nazideutschland verboten. Mitglieder des jungen Wächters waren nur wenig später maßgeblich an der Organisation des jüdischen Widerstands gegen den Nationalsozialismus beteiligt. Ihre ideellen Wurzeln hat die weltweit vertretene Jugendorganisation in der internationalen Kibbuz- und Falkenbewegung. Zu Gründungszeiten war das erklärte Ziel der Gruppe die Vorbereitung der jugendlichen Mitglieder auf die Alija (»Aufstieg«), also die Auswanderung nach Israel. Heutiges Anliegen der Gruppe ist zusätzlich zu der Vermittlung sozialer und humaner Werte auch die Stärkung des Zugehörigkeitsgefühls zu Israel und die Bewahrung der jüdischen Identität, der Schomerim.

Seit längerem arbeitet Haschomer Hatzair eng mit der Jugendorganisation »Die Falken« zusammen. Genau wie diese unterstützt die Gruppe das neu gegründete Jugendbündnis »Rosa und Karl«, das für 2013 zu einem »emanzipatorischen Gedenken« an die beiden im Januar 1919 von rechtsextremen Freikorpssoldaten ermordeten Sozialisten aufruft. »Es freut uns, dass wir als erst gerade wieder entstandene Gruppe mit anderen linken Organisationen zusammen ein undogmatisches Gedenken an Rosa und Karl veranstalten können«, erklärt Ido Porat, Vorsitzender des Haschomer Hatzair Deutschland gegenüber »nd«. »Wir wollen an die Ideen und Ideale wie Gleichheit und Gerechtigkeit für alle Menschen anknüpfen, für die die beiden Revolutionäre bis heute stehen.«

Die alternative Veranstaltung versteht sich als Alternative zur Luxemburg-Liebknecht-Demonstration, die vom Frankfurter Tor zum Friedhof der Sozialisten führt. Die Initiatoren wollen sich von leninistischen, maoistischen bis hin zu offen stalinistischen Gruppen abgrenzen, die bei dieser Demonstration präsent sind. Im vergangenen Jahr waren Kritiker von Stalin, Mao und Lenin am Rande des Demonstrationszuges von Demonstrationsteilnehmern tätlich angegriffen worden. Das hat den Ruf nach einer klar abgegrenzten Demo verstärkt. Kein Problem hat das Jugendbündnis mit dem sogenannten stillen Gedenken, bei dem jährlich Tausende Menschen mit Blumen zu den Gräbern der Sozialistenführer ziehen. »Wir wollen deutlich machen, dass weder Lenin noch Mao etwas mit der Gesellschaft zu tun haben, die wir anstreben«, erklärt Porat.

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