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Im Ausland liegt das Geschäft

Manager hinken in Deutschland der Internationalisierung hinterher

  • Von Hermannus Pfeiffer, Hamburg
  • Lesedauer: 3 Min.

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Viele DAX-Konzerne machen einen Großteil ihrer Profite im Ausland. Ihre Topmanager kommen meist noch aus Deutschland.

»In Deutschland führen die Falschen.« Das meint angesichts der jüngst bekannt gewordenen Verfehlungen von Spitzenmanagern ausgerechnet der Bundesverband der Personalmanager in Berlin. Oft machten demnach spezialisierte Fachleute Karriere, die den allgemeinen Anforderungen nicht gewachsen seien. Anlass für die Grundsatzkritik ist der radikale Umbau des Vorstandes von ThyssenKrupp: Das Stahlunternehmen setzte kurz vor Weihnachten gleich drei Vorstandsmitglieder vor die Tür. ThyssenKrupp zog damit Konsequenzen aus Milliardenverlusten und Korruptionsvorwürfen.

Kein Einzelfall. »Viele Führungspositionen in deutschen Unternehmen werden mit den falschen Leuten besetzt«, erklärte Personalverbandspräsident Joachim Sauer in einem Zeitungsinterview. Ähnliche Vorwürfe wurden zuletzt nach dem Ausbruch der Banken- und Finanzkrise im Sommer 2007 laut. Doch schon 1992 hatte der Wirtschaftsjournalist Günter Ogger mit seinem Bestseller »Nieten in Nadelstreifen« die Managerschelte in Deutschland richtig populär gemacht.

Seither hat sich vieles verändert. Vor allem sind die »deutschen« Unternehmen und damit die Manager internationaler geworden. »Die Bühne der DAX-Unternehmen ist die Welt«, bringt es der Bundesverband deutscher Banken in einer neuen Studie auf den Punkt. So lagen die im Ausland erzielten Umsätze der im Deutschen Aktienindex (DAX) gelisteten Konzerne meist deutlich über dem Inlandsgeschäft. Trotz ihres Namens überwiegt selbst bei der Deutschen Bank das Auslandsgeschäft. Der Finanzkonzern gilt spätestens seit der Fusion mit dem amerikanischen Bankers Trust Ende der 1990er Jahre als Global Player mit zunehmend angelsächsischer Prägung: Zwei Drittel seiner Erträge im Großkundengeschäft erzielt die Bank im Ausland.

Die Global Player kommen aus den unterschiedlichsten Branchen: von den Pharmakonzernen Bayer (Auslandsumsatz 87 Prozent) und Merck (92 Prozent) über den Elektronikriesen Siemens (85) und die Softwareschmiede SAP (84) bis hin zu dem Gasunternehmen Linde (91) sowie dem Baustoffproduzenten Heidelberg-Cement (91). Selbst die Deutsche Post macht mittlerweile 68 Prozent ihres Umsatzes im Ausland.

Dass die starke Position auf den Weltmärkten nicht allein auf Exporten basiert, sondern meist einhergeht mit Investitionen in Produktionsstätten vor Ort, untermauert die Personalstatistik: Bei 22 der 30 DAX-Unternehmen sind mehr Mitarbeiter im Ausland tätig als hierzulande. Von den rund 3,7 Millionen Beschäftigten haben 2,1 Millionen ihre Arbeitsplätze im Ausland - nur 1,6 Millionen in Deutschland.

Der Trend zur Internationalisierung ist auch an der DAX-Aktionärsstruktur abzulesen: Rund 60 Prozent des gesamten Grundkapitals werden heute von ausländischen Investoren gehalten. Hinter den Durchschnittszahlen verbergen sich allerdings sehr unterschiedliche Gewichtungen bei den einzelnen Unternehmen.

Die multinationale Expansion der wichtigsten deutschen Unternehmen spiegelt sich verzögert, aber zunehmend in der Managementstruktur wider. »Inzwischen«, so der Bankenverband, »gilt es als selbstverständlich, dass die Führungsgremien immer internationaler besetzt sind.« Was nicht allein die Auslandserfahrungen deutscher Vorstände meint: Von den 195 Vorstandsmitgliedern stammen 50 aus anderen Ländern. Das entspricht einer Quote von immerhin schon 25 Prozent - diese lag vor zehn Jahren noch bei 15 Prozent. Im Spitzenmanagement besonders zahlreich vertreten sind Amerikaner, Österreicher und Inder. Übrigens war vor noch nicht allzu langer Zeit keine einzige Frau in den DAX-Vorständen zu finden, nunmehr ist in zwölf Unternehmen mindestens eine Frau vertreten.

Dass die Internationalisierung des Managements langsamer erfolgt als die Internationalisierung von Produktion und Vertrieb sehen manche Experten als Mangel an. Letztlich sind aber einige Nieten in Nadelstreifen weniger problematisch als falsche Anreizsysteme (Boni), die Vorstände zu kurzfristigem Denken veranlassen, und überbordende Profiterwartungen vieler Eigentümer.

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