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Gut präparierter Zeuge

Ein toter Wolf soll heute im Amtsgericht Montabaur seinen Auftritt haben - in eigener Sache sozusagen

Ein Jäger erschießt einen höchst seltenen Wolf im Westerwald und beharrt darauf, es sei ein Hund gewesen. Der Fall landet vor Gericht - mitsamt dem präparierten Wolf.

Montabaur (dpa/nd). Ein präparierter Wolf soll heute dem Amtsgericht in Montabaur vorgeführt werden: Das Tier - vermutlich der erste Vertreter seiner Art im Gebiet des heutigen Rheinland-Pfalz seit 123 Jahren - war im April vergangenen Jahres von einem Jäger erschossen worden, der deshalb vor Gericht steht. Nun werde der Wolf zur Begutachtung eingeführt, erklärte Gerichtsdirektor Reiner Rühmann nach einem Prozesstermin im Dezember.

Der Jäger aus dem Raum Köln hatte den Wolf nach eigener Aussage erschossen, weil er ihn für einen Schäferhund hielt, der zwei Rehe verfolgt habe. Im Juli vergangenen Jahres kassierte er dafür einen Strafbefehl von 2500 Euro. Dagegen legte der Mann Einspruch ein. Die Existenz des Wolfs war anhand von Fotos nachgewiesen worden. Nach Rühmanns Angaben legte Oberstaatsanwalt Ralf Tries bereits im Dezember ein weiteres Gutachten vor, demzufolge es sich bei dem erschossenen Tier tatsächlich um einen Wolf gehandelt habe. Heute nun soll dies auch ein Sachverständiger des Frankfurter Forschungsinstituts Senckenberg untermauern. Die Staatsanwaltschaft hatte dem Verteidiger des Jägers empfohlen, den Einspruch gegen den Strafbefehl zurückzunehmen.

Nach Darstellung des Gerichtsdirektors Rühmann könnte der Todesschuss - bisher nur als fahrlässiger Gesetzesverstoß geahndet - vom Gericht auch als vorsätzlicher Verstoß eingestuft werden. In diesem Fall würde das Gericht davon ausgehen, dass der Jäger bewusst einen Wolf habe erschießen wollen. Zu einer höheren Strafe könnten dann noch die Kosten der Beweisaufnahme kommen. Bei der Verhandlung im Dezember war der Jäger nicht anwesend.

Der blutige Tod des Wolfes bei Hartenfels hatte im vergangenen Jahr überregional Schlagzeilen gemacht und Tierschützer empört.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten vor, trotz schlechter Sicht und ohne genaue Kenntnis des Jagdreviers geschossen zu haben.

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