Buchrezension: Klappe auf

Der Autor Markus Müschenich - Kinderarzt, Gesundheitswissenschaftler, Klinikvorstand - weiß genau, wovon er spricht. Seine Sorge, dass der Ärzteschaft der Nachwuchs ausgeht, weil die Rahmenbedingungen schlechter geworden sind, ist bekanntlich nicht unbegründet. Deshalb wirbt er mit Vehemenz und begründet mit Herz und Verstand. Arzt zu werden, »weil Ärzte jeden Tag Leben retten«, steht bei ihm an erster Stelle. Noch vor wenigen Jahrzehnten, argumentiert er, wäre für viele Menschen, die durch Unfälle, Verbrennungen, Herzinfarkt oder Schlaganfall in eine lebensbedrohliche Situation gerieten, jede medizinische Hilfe zu spät gekommen. Diese Situationen sind weniger geworden und damit für den Arztberuf ein großes Plus, kann Müschenich belegen.

Die anderen 54 Beweggründe, Arzt zu werden, beweist er ebenso gewissenhaft oder auch mal augenzwinkernd mit Behauptungen wie: »weil Ärzte die schönsten Frauen heiraten«, »weil schon kleine Kinder Doktor spielen« oder »weil Ärzte eine eigene Bank haben«. Neben den ernst zu nehmenden Seiten dieses Berufsstandes kommen auch die heiteren nicht zu kurz.

Dass Ärzte auch zur Politik taugen, belegt er an Beispielen aus der Geschichte. Besonders Rudolf Virchow hat sich für die »Volksgesundheit« eingesetzt. Dieses politische Engagement wünscht sich der Autor auch für mehr seiner Kollegen. »Arzt zu sein heißt, eine Aufgabe zu haben, nicht einfach nur Reparateur zu sein und die Klappe zu halten«, fordert er mit Nachdruck.

Markus Müschenich: »55 Gründe, Arzt zu werden«, Murmann Verlag, 2012, 19,90 €.

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