Waschbecken mit Gummibärchen beklebt

Künstler Sebastian Schmelz bearbeitet in seinem Atelier in Prenzlauer Berg Sanitärgegenstände

Unter dem Namen »Sanitärveredelung« hat Sebastian Schmelz (40) ein Kunstprojekt ins Leben gerufen, mit dem er der »weißen« Vorherrschaft in Badezimmern den Kampf angesagt hat. In einem großen, lichtdurchfluteten Altbauzimmer an der Danziger-/Ecke Greifswalder Straße in Prenzlauer Berg hat Sebastian sein Atelier eingerichtet. Kein Atelier, wie man es sich vorstellt. Es findet sich kein künstlerisches Chaos, keine Staffelei, Leinwände, Pinsel, Farben oder Ähnliches. Am Fenster, das den Blick auf die Danziger Straße freigibt, steht ein Tisch. Auf ihm liegt ein Waschbecken, das bis zur Hälfte mit Gummibärchen beklebt ist. Daneben befindet sich ein Haufen der bunten Gummitierchen.

»Meine Kunst bezieht sich ausschließlich auf den Sanitärbereich - Waschbecken, Duschtassen, Badewannen, Toiletten und Toilettendeckel«, erklärt Schmelz. Und fügt an: »Das langweilige Weiß in den Badezimmern sollte endlich der Vergangenheit angehören.« Er greift in den Haufen Gummibärchen, um sie Seite an Seite und Schulter an Schulter mit dem Rücken auf das Waschbecken zu kleben. Mit geübter Fingerfertigkeit setzt er eines neben das andere. Dabei erklärt er die weiteren Arbeitsabläufe. »Wenn das Waschbecken vollständig beklebt ist, trage ich mehrere Schichten aus flüssigem Plastik auf. Abschließend versiegele ich das Ganze mit einem speziellen Schutzlack.«

Doch Gummibärchen sind nicht der einzige Werkstoff, den Schmelz benutzt. Er arbeitet auch mit Spiegelglas und Naturstein. Den Möglichkeiten seien kaum Grenzen gesetzt, betont Schmelz. Umsonst gibt es die veredelten Sanitärgegenstände indes nicht: Ein Waschbecken gibt es ab 600 Euro. Die Veredelung mit Strasssteinen oder anderen hochwertigen Werkstoffen kostet selbstverständlich extra. Der Preis erklärt sich hauptsächlich aus den Materialkosten. Die Gummibärchen sind dabei eher noch ein günstigster Posten.

Besonders kostenintensiv ist der flüssige Kunststoff und die abschließende Versiegelung. Des weiteren gibt Schmelz zu bedenken, dass es nicht damit getan ist, sich ein Waschbecken an die Wand zu hängen oder eine Badewanne in die Ecke zu stellen. »Das sind gebrauchsfähige Kunstwerke, die ihrer Pflege bedürfen.« Um die Nanoversiegelung zu erhalten, dürfen diese nicht mit scharfen Reinigungsmitteln gesäubert werden. Aber auch für dieses Problem sucht Schmelz nach einer Lösung: Er experimentiert mit den verschiedensten Komponenten und Methoden der Verarbeitung. Den Mittelpunkt seines Schaffens hat der gebürtige Hannoveraner Schmelz nach Berlin verlegt.

»Berlin ist für mich der ideale Ort, um meine Kunst zu präsentieren«, sagt er. Für das neue Jahr habe er noch ein paar Ideen im Kopf, sagt Schmelz. Auf die Umsetzung will der Künstler zwar noch nicht sprechen, man darf aber gespannt sein.

Kontakt: sanitaerveredelung@web.de

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