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Bendorfer Tombola zur Vermittlung Arbeitsloser führt zu Protesten

In Bendorf (Rheinland-Pfalz) sollten Langzeitarbeitslose mit Hilfe einer Art Tombola an Unternehmen vermittelt werden. Zu gewinnen gab es für teilnehmende Betriebe etwa Dienstleistungen, die von den Langzeitarbeitslosen erbracht werden sollten.

Bendorf (dpa/nd). Eine »Losaktion« in Rheinland-Pfalz zur Vermittlung von Langzeitarbeitslosen an Unternehmen sorgt für scharfe Kritik. Bei dem Projekt der Dienstleitungsgesellschaft Mittelrhein auf dem Weihnachtsmarkt in Bendorf im Dezember konnten Firmen, die Langzeitarbeitslosen etwa Praktika anboten, kleine Dienstleistungen als Anreiz »gewinnen«. Die Palette der Gewinne reichte von einem Frühstück über Fensterputzen bis zum Lagerräumen. Der DGB zeigt sich entsetzt, die Initiatoren verteidigen sich.

Mit der Aktion sollte ein Kontakt zwischen den teilnehmenden Unternehmen und Langzeitarbeitslosen hergestellt werden, erklärte der Geschäftsführer des Jobcenters des Landkreises Mayen-Koblenz, Rolf Koch. Die fraglichen Dienstleistungen hätten Mitarbeiter der DG Mittelrhein oder in einigen Fällen auch Langzeitarbeitslose erbringen sollen.

Die DG Mittelrhein betonte, in erster Linie seien Sachpreise und Dienstleistungen verlost worden, die von fest angestellten Mitarbeitern erbracht werden sollten. Die Aktion sei »ungewöhnlich, sicherlich auch provokant« gewesen. Man habe damit auf die schwierige Lage älterer Menschen und Menschen mit Behinderung im Arbeitsmarkt aufmerksam machen wollen.

In einer Pressemitteilung des Jobcenters vom Dezember liest sich das so: Es gehe um die Chance für die Langzeitarbeitslosen, die von der DG Mittelrhein betreut werden, sich beim »Abarbeiten« der Preise durch gute Arbeit zu bewähren. Zu den Preisen zählten demnach auch das Putzen von Fußböden oder Fenstern, das Aufräumen von Lagern oder das Reinigen des Fuhrparks. Es machten 34 Unternehmen mit. Der rheinland-pfälzische DGB-Landesvorsitzende Dietmar Muscheid sprach in einer schriftlichen Stellungnahme von einer »vollkommen missglückten und aus dem Ruder gelaufenen Aktion«. Die Verlosung von Langzeitarbeitslosen sei eine »menschenverachtende und entwürdigende Aktion« gewesen.

Dem entgegnete die DG Mittelrhein, menschenverachtend sei, wenn Menschen aus dem Arbeitsmarkt ausgegrenzt würden. Das sei auch die Botschaft hinter der Losaktion im Rahmen des Programms »Perspektive 50 plus« der Bundesagentur für Arbeit gewesen, das die Chancen Langzeitarbeitsloser über 50 Jahre verbessern solle. Laut DG Mittelrhein wurden keine Langzeitarbeitslosen zur Teilnahme an der Aktion verpflichtet.

Das bestätigte auch Rolf Koch vom Jobcenter. »Das Ganze wurde falsch verstanden und ist jetzt so in der Welt«, sagte Koch. »In der Nachbetrachtung würde ich sagen: Wir lassen die Finger davon.«

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