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Weidmann sucht nicht das Weite

BaFin ermittelt wegen gestreuten Börsengerüchts

Voll auf dem Posten als Bundesbankpräsident präsentierte sich am Mittwoch Jens Weidmann, als er wieder mal über die zu expansive Geldpolitik seiner japanischen Kollegen herzog. Wenige Stunden vorher hatte ein Gerücht über Weidmanns Rücktritt den Eurokurs wie auch den Deutschen Aktienindex absacken lassen. Der Spuk war schnell wieder vorbei, als die Bundesbank dementierte und erklärte, sie könne »Marktmanipulationen nicht ausschließen«. Mittlerweile hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht Ermittlungen eingeleitet. Dies sei in solchen Fällen Routine, hieß es.

Gerüchte und Spekulationen sind der Stoff, aus dem an der Börse, wo die Zukunft gehandelt wird, die Kurse gemacht werden. Wer vorher Bescheid weiß, oder gar Gerüchte streut, kann viel Geld verdienen, sich aber auch strafbar machen. Im Zeitalter der bisweilen Millionen Mitglieder zählenden Blogs, wo anonym verfasste, kleine geistlose Gemeinheiten mit kaum mehr als einem Fünkchen Wahrheit rasend schnell verbreitet werden können, haben sich die Möglichkeiten von Manipulationen potenziert. Das Weidmann-Gerücht soll laut »Spiegel Online« über den Kurznachrichtendienst Twitter verbreitet worden sein und von dem Account »@russian_market« stammen, einem Finanznachrichtenblog aus Zürich mit knapp 37 000 Followern. Dort kommentieren Blogger den Vorwurf mit Nerd-Ironie: »Großartig, dank Spiegel werde ich jetzt durch @Bundesbank auf Marktmanipulation überprüft: das Absurdeste, was ich je gehört habe.«

Tatsächlich ist bei einem solchen Gerücht der Verursacher praktisch nicht zu ermitteln. Aufmerksam wird man erst, wenn es längst in Umlauf ist. Und das »World Wide Web« vergisst nichts. Sollte Weidmann eines Tages aus Ärger über den Kurs der Europäischen Zentralbank tatsächlich zurücktreten, werden Blogger schreiben: »Ätzt nicht, das hat unsere Community längst gepostet!!!«

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