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Das Bild vom sauberen Krieg ist getrübt

Georg Klute über den Militäreinsatz in Mali

Seit Beginn des Einsatzes der französischen Armee in Mali erreichen uns immer neue Siegesmeldungen. Eine Stadt nach der anderen wird erobert - tatsächlich zumeist kampflos besetzt. Islamistische Gruppen, die hier eine besonders harsche und mittelalterlich anmutende Interpretation des islamischen Rechts durchgesetzt hatten, ziehen sich, abgesehen von den ersten Tagen des französischen Einsatzes, wo sie Widerstand leisteten, in die Weite der Sahara zurück. Die Medien zeigen uns Bilder von Menschenmengen, die ihren französischen »Befreiern« zujubeln. Man verspricht, dass schon bald der nördliche Landesteil Malis zurückerobert und von »Terroristen«, Islamisten oder Drogenhändlern befreit sein werde. Schnell werde die territoriale Integrität Malis wieder hergestellt werden und »ordentliche«, demokratische, womöglich gar rechtsstaatliche Verhältnisse würden wieder Einzug halten.

Angesichts solcher Bilder und solcher Berichte scheint kaum ein Krieg vorstellbar, der berechtigter wäre, sauberer geführt würde und weniger Menschenleben kosten wird. Wer könnte gegen einen solchen Einsatz zur Vertreibung von Terroristen und Islamisten sein? Schaut man indes genauer hin, trübt sich das Bild des legitimen, sauberen Krieges. Zunächst gilt festzuhalten, dass der Einsatz in Mali wie jeder Krieg von dehumanisierenden Diskursen und Bildern begleitet wird, die Gewalt und Kriegstechnologien verherrlichen. Das gilt nicht nur für bestimmte Medien, sondern der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian selbst sagte wenige Tage nach Beginn des Einsatzes: »Wir haben die islamistischen Kolonnen gestoppt; jetzt geht es darum, sie zu liquidieren.«

Sicherlich ist ein erster Grund für das Eingreifen gewesen, die Machtergreifung von Gruppen zu verhindern, die die Ideologie eines globalen Dschihad (Heiliger Krieg) vertreten und für die Subregion oder sogar Europa hätten gefährlich werden können. Aber war dies der einzige Grund? Frankreich will offenbar auch seine wirtschaftlichen Interessen verteidigen. Im Nachbarland Niger beutet die halbstaatliche Firma Areva Uranminen aus. Die Machtergreifung von Islamisten hätte dies bedroht. Aktuell schützen französische Spezialkräfte die nigrischen Minen. Auch Mali selbst verfügt über Bodenschätze, darunter Uran, an dem Frankreich interessiert sein dürfte. Ausschließlich um hehre Ziele und die Verteidigung der Demokratie ist es Frankreich nicht zu tun.

Mit der Präsenz französischer Truppen in Kidal, der letzten großen Stadt im Norden Malis, wird die Intervention als »erfolgreich« deklariert. Ob nach der Eroberung der Städte ein langwieriger Guerillakrieg vermieden werden kann, ist noch offen, obgleich ein Szenario wie in Afghanistan unwahrscheinlich erscheint.

Die wichtigste Frage jedoch ist, wie ein zukünftiges Mali gestaltet werden wird. Offenbar strebt die politische Elite des Landes deutlich nach einer Wiederherstellung eines Status quo ante, ohne die schon seit Jahrzehnten erhobenen Forderungen der Bevölkerungen im Norden, vor allem der Tuareg, nach Autonomie, föderalen Strukturen oder gar Unabhängigkeit, in Betracht ziehen zu wollen. Im Norden Malis scheinen neue Konflikte programmiert.

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