»Selbst der Klempner muss ja heute cool sein«

Ein über 20 Jahre altes Lied der Goldenen Zitronen heißt »Alles was ich will (nur die Regierung stürzen)«. Wie dringend muss gegenwärtig die Regierung gestürzt werden? So dringend wie immer. Was die Regierungen unserer westlichen Hemisphäre aufrechterhalten, bringt einige Ungerechtigkeiten mit sich. Bei einem Rating bliebe die Forderung weiterhin bei Zehn. Sie kommen vom Punkrock, heute inszenieren Sie modernes Theater. Ist der Weg in die Hochkultur mit der Aufgabe politischer Überzeugungen verbunden? Hochkultur? Das gibt es ja gar nicht mehr. Das klingt gleich nach so einem gewissen Verdacht, dass man durch die Institutionen gelatscht ist. Das Gute am Theater scheint mir, dass man dort unzensiert Dinge machen darf. Außer der steuerzahlenden Kommune gibt es niemanden, dem man verpflichtet ist. Da kommt keiner und sagt: Das führe ich nicht auf, das gibt es nicht. Man muss schon ein bisschen genauer hingucken, was man meint, wenn man »Kommerz« sagt. Aber zweifellos bin ich, wie alles andere auch, eine Art Label mit einen schwankenden Marktwert. Selbst der Klempner muss ja leider heutzutage nicht nur gut, sondern auch cool sein. Ihr neues Album, »Der Mensch lässt nach«, versammelt Musikstücke aus Ihren Theaterinszenierungen. Ihr Thema ist die Durchökonomisierung der Gesellschaft. Oder die Durchökonomisierung des Selbst. Wir sind ja aufgefordert, das ständig zu optimieren, das ist das Problem der heutigen, ausgebrannten Gesellschaft. Sie ist ja nicht nur als Gesellschaft entfremdet oder der Mensch darin, nach Marx. Wir sind aufgrund des ständigen Zwangs, uns zu präsentieren, im permanenten Überforderungsmodus. Da lässt man nach irgendwann. Fühlt man sich einsam als eine Art letzter Linker im Popkulturbetrieb? Ich wundere mich auch ein bisschen, dass die Leute nicht explizit politischer sein wollen. Bei mir gibt es diesen interventionistischen Gedanken, der eigentlich aus etwas ganz Kleinem herrührt. Die Umgebung, das Kaff, aus dem ich komme, habe ich als sehr autoritär empfunden. Dagegen mussten ich und ähnlich Empfindende etwas unternehmen und es laut sagen. Das ging erst einmal über Punk. Man darf die Leute aber nicht unterschätzen. Ich nehme ja auch den Wutbürger ernst, obwohl mich die plötzliche Emotion etwas befremdet, weil sie erst auftaucht, wenn der neue Bahnhof direkt vor seiner Haustür stört. Sonst ist er still. Ihre Hauptthemen sind die Verwertung des Einzelnen im kapitalistischen Alltagsbetrieb, die Kulturindustrie, die Leistungsgesellschaft. Wie kann man das stören, sich dem entziehen? Auch ich verwerte mich ja selbst. Sich dem zu entziehen, kann Eskapismus sein, Zerstören ist ein aktives Moment. Es geht um beides. Wenn man an Formen gegenkulturellen Handelns interessiert ist, dann sollte man sie auch in den Zentren praktizieren und nicht im Wald. Ich mochte die Strategie der Occupy-Bewegung, die erst einmal gesagt hat: »Gegen die gierigen Banken« usw. Nur: Die Banken findet auch Frau Merkel schon scheiße.

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