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Hinter Gitter?

Dem ehemaligen britischen Minister Chris Huhne droht eine Haftstrafe

Zweimal wäre der 58-jährige Chris Huhne beinahe Chef der britischen Liberalen geworden. Journalist, erster Umweltminister in David Camerons Koalition - und demnächst wohl Knastbruder. Der Kreis schließt sich in Form von Handschellen.

Der Europa-Abgeordnete lebte gern auf der Überholspur, fuhr mit 110 Sachen auf einer Autobahnstrecke vom Flughafen Stansted zu seinem Londoner Zuhause, die nur für 80 km/h zugelassen war. An diesem Abend im März 2003 wohl zum wiederholten Mal; das hätte den Führerscheinentzug bedeutet. Also zwang er seine Frau, die unbescholtene, um zwei Jahre ältere Vicky Pryce, die Punkte auf ihre Kappe zu nehmen. Sieben Jahre später verließ er sie und bandelte mit einer jungen PR-Beraterin an. Prompt packte Pryce vor der Polizei aus, beide standen in dieser Woche wegen Strafvereitelung vor Gericht. Nach erfolglosen Versuchen Huhnes, den Prozess abbrechen zu lassen, bekannte sich der Abgeordnete endlich für schuldig. Geht er als erster Exminister nun als Verbrecher hinter Gitter? Ein arroganter Karrierist weniger?

Der Fall liegt komplexer. Huhne war Linksliberaler, setzte sich gegen konservative Hinterwäldler für die Windkraft und gegen den Atomstrom ein. Mehr noch: Im Kabinett bot er den Austeritätsaposteln um Cameron und dessen Finanzminister George Osborne Paroli und wäre nach dem Scheitern des glücklosen Vizepremiers Nick Clegg wohl im dritten Anlauf Parteichef geworden, aber in einer Koalition mit Labour-Chef Ed Miliband. Jetzt steht eine Nachwahl im wohlhabenden Vorortwahlkreis Eastleigh bei Southampton an. Hier hat Labour 2010 weniger als zehn Prozent der Stimmen bekommen, wegen des britischen Mehrheitswahlrechts scharten sich Linke hinter Huhne, um einen Sieg des Tory-Kandidaten zu verhindern. Auch jetzt droht ein erbitterter Kampf zwischen den beiden Koalitionspartnern. Ein Rechter freut sich dabei diebisch: Nigel Farage von der antieuropäischen United Kingdom Independence Party (UKIP) denkt über eine Kandidatur nach. Hoffentlich fährt keiner zu schnell auf der Autobahn nach Eastleigh.

Ian King, London

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