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Tom Strohschneider 07.02.2013 / Linksbündig

Vorwärts, und vergessen?

Die SPD feiert in diesem Jahr Geburtstag. 150 Jahre nach der Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins durch Ferdinand Lassalle im Mai 1863 gibt es dazu unbestrittenen Anlass. Und deshalb ist auch wenig dagegen zu sagen, wenn Sigmar Gabriel in diesen Tagen der Stolz auf lange Tradition und historische Größe anzumerken ist. Dass auch die Kanzlerin nach Leipzig kommt, wo sich die Sozialdemokraten im Mai zentral feiern, findet der SPD-Chef nicht nur erfreulich. Er sage es „ganz selbstbewusst“, hat Gabriel jetzt in der „Leipziger Volkszeitung“ die Zusage von Angela Merkel kommentiert: „Ich finde es auch angemessen“. Das ist es, in jeder Beziehung. Die SPD ist wie die Union eine Staatspartei der Bundesrepublik, in den fundamentalen Fragen gibt es Konsens - über Staatsräson und Staatsschutz, über Fördern und Fordern, darüber, wo der Spaß der radikalen Kritik der Verhältnisse aufhört. SPD und Union haben koaliert und ein neuerliches Regierungsbündnis ab Herbst ist nicht auszuschließen. Natürlich kommt Frau Merkel zum Geburtstag der Sozialdemokraten. Und ja, die dürfen sich darüber genauso freuen wie sie ihr Jubiläum dazu nutzen, sich selbst in ihrer Vergangenheit zu spiegeln, die Geschichte zu nutzen, um sich selbst im Heute zu verorten. Ein zentrales Narrativ der historischen Selbstvergewisserung der Sozialdemokraten ist deren Verhalten 1933. „Gegen Hitlers Ermächtigungsgesetz stimmten im Reichstag am Ende nur noch die Sozialdemokraten, während Konservative und Liberale ihm zur Macht verhalfen“, hat Gabriel jetzt ein Beispiel davon gegeben. Man hat es in den letzten Tagen schon öfter vernommen.

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Über diesen Blog

Linksbündig

Was die Linke ist? Sie ist auf jeden Fall viel größer als die gleichnamige Partei. Das ist gut so. Man kommt als Linker ohne Parteibuch aber auch nicht an der Partei vorbei. Was die klein und die groß geschriebenen Linken trennt und was sie verbindet, wo die Grenzen emanzipatorischer Politik liegen und welche Versuche es gibt, diese zu überwinden – davon soll dieses Blog handeln.

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  • Tom Strohschneider

    Tom Strohschneider, Jahrgang 1974, ist nd-Chefredakteur. Nach einem Studium der Geschichte, Politikwissenschaft und Soziologie kam er mehr zufällig zum Journalismus. Er arbeitete unter anderem bei der Wochenzeitung "Der Freitag" und bei der "taz". Er denkt gern über die gesellschaftliche Linke nach, bloggt unter anderem "Linksbündig" und wartet stets vergeblich auf ein Rezensionsexemplar des jeweils neuesten 3D-Druckers. Strohschneider liest gern Dath und hat aus "South Park" und "Die Simpsons" mehr gelernt als aus vielen Sachbüchern. Selbst schreibt er auch manchmal welche. Zuletzt erschienen von ihm: "Linke Mehrheit?" über Möglichkeiten und Grenzen von Rot-Rot-Grün sowie “What's left?” über Europas Linke, den Rechtsruck und einen sozialistischen Kompromiss. Beide erschienen bei VSA.

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