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Weltschmerz statt Revolution

Tracy Chapman auf Tournee

  • Von Brigit Gärtner
  • Lesedauer: 2 Min.
Tracy Chapman steht für Protest gegen herrschende Verhältnisse und Hoffnung auf ein besseres Leben. Doch ihre neue CD lässt diese Haltung vermissen: »Where you live« (Warner) bietet Weltschmerz statt Revolution. Die melancholischen Balladen handeln von ein bisschen Frieden, ein bisschen Herzschmerz, ein bisschen diesem, ein bisschen jenem, und klingen - ein bisschen eine wie die andere. Einzige Ausnahme ist »Amerika«, ein toller Song gegen Sklaverei und Kriegstreiberei - ein echter Chapmann: »Ihr spracht von Frieden und praktiziertet Krieg, als ihr Amerika erobert habt. Ihr machtet uns zu Soldaten, Junkies, Gefangenen und Sklaven. Eure Hände sind an meiner Kehle, mein Rücken gegen die Wand gedrückt. Wir sind krank, hungrig und arm, weil ihr immer noch Amerika erobert.« Wem das zu wenig ist, der muss auf die nächste Chapman-CD warten, dann hoffentlich wieder »Talking about a Revolution«. Mit jenem Song traf sie einst auf ein Lebensgefühl, das Ende der 80er Jahre viele noch nicht verloren hatten. 1988 erschien die erste LP »Tracy Chapman«. Gerade einmal 24 Jahre alt war die in einem Arbeiterviertel in Ohio geborene Afro-Amerikanerin damals - und nach ihrem Auftritt bei dem Nelson-Mandela-Solidaritätskozert im Londoner Wembley-Stadion am 11. Juni 1988 ein Weltstar. Zwei Tage später war ihr Album weltweit 12 000 Mal verkauft. Im folgenden Jahr erschien ihre zweite LP »Crossroads«, für die sie am 3. Oktober 1989 Platin bekam, die fünfte Scheibe »Telling Stories« wurde im Mai 2000 vergoldet. Tracy Chapman erhielt vier Grammys. Ihre klaren Botschaften gegen Krieg, Rassismus, Ausbeutung und Gewalt kommen beim Publikum genauso gut an wie ihr vielschichtiges musikalisches Können. Sogar an Reggae-Rhythmen traute sie sich heran, als eine von wenigen Frauen überhaupt auf der Welt. Chapman ist gelebte Solidarität, in ihren Texten und in ihrem Handeln. Unzählige Benefiz-Konzerte bereicherte sie mit ihrem Können, sei es für den ANC, für Amnestie International, für ein freies Tibet, oder gegen Aids. Bei ihren Fans steht Chapman auch fast 20 Jahre nach ihrem Debüt hoch im Kurs: Die »Where you live«-Release-Tour ist in zwei von vier deutschen Städten seit Wochen ausverkauft. Tracy on Tour: 19.11. Berlin (Tempodrom), 20.11. Leipzig (Haus Auensee, ausverkauft), 23.11. Hamburg (CCH, ausverkauft), 26.11. Köln (Palladium)

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