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Keine Mehrheit mehr für Länderehe

Zustimmung der Unternehmen schwindet / Weiter stabile Konjunktur erwartet

  • Von Klaus Joachim Herrmann
  • Lesedauer: 3 Min.

Das Interesse der Wirtschaft in Berlin und Brandenburg an einer Fusion beider Bundesländer lässt nach. »Trotz eines kontinuierlichen Zusammenwachsens der Wirtschaft in der Region Berlin-Brandenburg ist die Zahl der Befürworter der Länderfusion erstmals unter 50 Prozent gefallen«, informierte gestern in Berlin René Kohl, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam. Vor Journalisten wies er bei der Vorlage des Konjunkturreports zum Jahresbeginn 2013 darauf hin, dass es bei dieser insgesamt 19. Umfrage zum ersten Mal keine Mehrheit mehr gebe. Berlins IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Eder sprach von einer »alarmierenden« Entwicklung.

Gegenüber dem Vorjahr sei die Zustimmung der Unternehmen zur Fusion, so der Report, um vier Prozent auf 49 Prozent gesunken. Im Vergleich zum Jahresbeginn 2011 seien es sogar neun Prozentpunkte weniger. Zwar gehe die Zahl jener, die eine Fusion ausdrücklich ablehnen, sogar ein wenig zurück - auf aktuell 21 Prozent nach 25 Prozent im Vorjahr. Dafür steige hingegen der Anteil der Unentschlossenen deutlich um acht Prozentpunkte auf 30 Prozent.

Insgesamt seien die Berliner »etwas fusionsfreudiger« als die Brandenburger Unternehmen, sagte René Kohl. Er sah in der fallenden Vereinigungstendenz »die Auswirkungen des mangelhaften Gestaltungswillens in der Berliner und Brandenburger Politik zur Länderehe«.

Das Votum der Unternehmen kann durchaus als überraschend bezeichnet werden. Schließlich unterhalten die Unternehmen der Region zu 83 Prozent Geschäftsbeziehungen in das jeweils andere Bundesland. Das sind drei Prozentpunkte mehr als noch vor einem Jahr. Als besonders wichtig schätzten 44 Prozent der Befragten ihre Geschäftskontakte über die Landesgrenzen hinweg ein, im Vorjahr waren es 43 Prozent.

Die Vorteile einer Länderehe bleiben den Unternehmen dabei durchaus bewusst. So sehen 67 Prozent darin die Chance zum Bürokratieabbau. Weitere Pluspunkte wären für sie eine Optimierung der Infrastruktur (57 Prozent) und Vereinheitlichung der Fördermaßnahmen (37 Prozent). Eine Verbesserung der generellen Standortbedingungen wurde nur noch von 31 Prozent der Unternehmen gegenüber 42 Prozent im Vorjahr erwartet. Als größte Nachteile vermerkt wurden die Gefahr des Identitätsverlustes (43 Prozent) und übermäßiger finanzieller Belastungen. Hier sanken jedoch die Befürchtungen von zuletzt 51 Prozent auf nunmehr 43 Prozent.

Insgesamt zeigten sich die Hauptgeschäftsführer der Berliner, Cottbuser, Ostbrandenburger und Potsdamer IHK zufrieden mit der konjunkturellen Lage. Die Wirtschaft bleibe auf Wachstumskurs, die Region bewege sich auf »ausgesprochen stabilem Niveau«. Für Berlin sprach Jan Eder von einer »Insel der Glücklichen in ruhigen Gefilden«. Wie er hervorhob, habe Berlin bei der Arbeitslosenquote bereits die Rote Laterne abgegeben und Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt hinter sich gelassen. Die hauptstädtische Wirtschaft gedeihe besonders aus strukturellen Gründen, meinte Jan Eder. Er verwies auf eine »herausragende Bildungs- und Forschungslandschaft«, Zustrom an Fachkräften und internationale Ausstrahlung.

Für den Report waren im Dezember 2012 und im Januar 2013 genau 1468 Berlin-Brandenburger Unternehmen aus Industrie, Dienstleistungen, Handel, Verkehrs- und Baugewerbe befragt worden.

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