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Cerrejón steht still

Streik in kolumbianischem Steinkohletagebau - Präsident ist verärgert

  • Von Benjamin Beutler
  • Lesedauer: 3 Min.
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In einem der weltgrößten Steinkohletagebaue ruhen die Arbeiten wegen eines Streiks. Auch Deutschland gehört zu den Abnehmern. Für Kolumbien ist die Steinkohle einer der wichtigsten Devisenbringer.

In Kolumbien wird einer der wichtigsten Devisenbringer bestreikt. »Zum ersten Mal seit 22 Jahren sieht sich Sintracarbón gezwungen, die Abbauarbeiten im Tagebau Cerrejón einzustellen«, erklärte die Gewerkschaft der Kohleindustriearbeiter (Sintracarbón) auf ihrer Webseite. Man sei zu der Maßnahme gezwungen, nachdem die Verhandlungen mit dem Betreiberunternehmen Carbones del Cerrejón Ltd. über einen 51-Punkte-Katalog, darunter Forderungen nach mehr Lohn, Schutz vor Feinstaub, Einbau von Filtern, Gleichbehandlung von Leiharbeitern und Respekt gegenüber den von Zwangsumsiedlung bedrohten Gemeinden, gescheitert waren. Seit vergangenem Donnerstag stehen die Arbeiten im größten Steinkohletagebau Lateinamerikas still.

Der Ausstand hatte sich schon länger abgezeichnet. Seit November schwelt der Streit mit dem Steinkohle-Riesen, der sich im Besitz der Bergbaukonzerne Xstrata-Glencore, AngloAmerican und BHP Billiton befindet. Staatspräsident Juan Manuel Santos ist über den Konflikt verärgert, denn ein international beachteter Streik wegen schlechter Arbeitsbedingungen und zu geringem Umweltschutz passt so gar nicht ins lange gehegte Bild als Musterland für Direktinvestitionen. Erst Ende 2012 hatte die EU mit Kolumbien ein Freihandelsabkommen unterzeichnet. »Jeden Tag verlieren wir wichtige Einkünfte, die zum Großteil in soziale Investitionen fließen«, so der Harvard-Absolvent in seinem Radioprogramm »Verbunden mit dem Präsidenten«. Er verstehe auch die Aufregung nicht. So würden die Arbeiter von Cerrejón »viel bessere Bedingungen haben als anderswo im Land«.

Das Unternehmen fährt die gleiche Linie: Der Streik sei »unbegründet und verantwortungslos«. Den Beschäftigten werde man die Löhne einfrieren und weitere »Vergünstigungen« streichen.

Die Megamine auf der Halbinsel Guajira im Nordosten Kolumbiens mit über 5000 Arbeitern, die meisten davon Gewerkschaftsmitglieder, erstreckt sich über 69 000 Hektar. Vom Werksgelände führt eine firmeneigene, 150 Kilometer lange Bahnstrecke zum Hafen Puerto Bolívar. Hauptabnehmer sind Europa und Nordamerika. Zunehmend wird auch nach China geliefert. Die Förderung soll von aktuell 34,6 Millionen Tonnen pro Jahr auf 60 Millionen Tonnen im Jahr 2017 ausgeweitet werden.

Kolumbien ist der viertgrößte Kohleexporteur weltweit; fast die Hälfte der Förderung kommt aus Cerrejón. Für Deutschland ist Kolumbien zweitwichtigster Lieferant nach Russland. Der Energieriese E.on bezieht ein Drittel seines Bedarfs aus dem südamerikanischen Land. Deutschlands Ausstieg aus der Steinkohleförderung 2018 wird sein Übriges tun. Auch Vattenfall steht in der Kritik. Gegen die Nutzung von Cerrejón-Kohle im Kraftwerk Hamburg-Moorburg will das Bürgerbündnis »Gegenstrom.13« im Mai im Hamburger Hafen demonstrieren.

Über Umwelt- und Sozialstandards wird gerne hinweggesehen. »In den Minen werden Stoffe verwendet, die in Europa verboten sind«, beklagt der Gewerkschaftler Gustavo Triana im Deutschlandfunk. »In der EU gibt es Richtlinien für die Höchstbelastung von Feinstaub. Hier können die Unternehmen machen, was sie wollen.« Gewerkschaftsführer und deren Familien leben mit Morddrohungen.

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