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Der Herrenwitz-Detektiv

Nick Knatterton als Spiegel des Wirtschaftswunderlandes Bundesrepublik

  • Von Christina Sticht, dpa
  • Lesedauer: 3 Min.

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»Ich bin eine Doppelbegabung: Ich kann weder zeichnen noch schreiben«, sagte Manfred Schmidt über sich selbst. Dabei schuf der 1999 gestorbene Künstler mit Nick Knatterton die erfolgreichste Comicfigur der jungen Bundesrepublik.

Hannover. Er ist einer der beliebtesten deutschen Comic-Helden: Die Abenteuer von Meisterdetektiv Nick Knatterton verschlangen in den 50er Jahren junge und alte Leser gleichermaßen. Kinder liebten die Slapstick-Komik und die technischen Tricks des Ermittlers im Karoanzug, Erwachsene schmunzelten über die Seitenhiebe auf die Politiker der jungen Bonner Republik. Am 15. April wäre Nick Knattertons Schöpfer Manfred Schmidt 100 Jahre alt geworden, das Museum Wilhelm Busch in Hannover widmet dem Comic-Pionier noch bis zum 21. April eine große Ausstellung.

Zu sehen sind mehr als 200 Objekte, darunter teils noch nie gezeigte Originalzeichnungen sowie private Leihgaben aus dem Nachlass des 1999 in Ambach am Starnberger See gestorbenen Künstlers. Die Schau bietet Einblicke in das Wirtschaftswunderland, in dem fette Fabrikanten das schnelle Geld und kurvige Blondinen dem Detektiv schöne Augen machen. »Nick Knatterton ist eine Identifikationsfigur, die Stärke zeigt, aber ironisch gebrochen ist», sagt der Konstanzer Comicforscher Prof. Dietrich Grünewald.

Als eine Art James Bond mit einem Hang zum Herrenwitz kämpft er gegen Waffenhändler und Erbschleicher. »Das Frauenbild, das in Nick Knatterton mitschwingt, geht heute nicht mehr«, sagt der Kurator der Ausstellung in Hannover, Kai Gurski. Was die Bildsprache und die Situationskomik angeht, hätten die Strips aber nichts von ihrem Unterhaltungswert eingebüßt. Die Mischung von Sprechblasen und Kommentaren sei ungeheuer modern, betont auch Grünewald.

Von 1950 bis 1964 zeichnete Schmidt über 500 Folgen der Krimi-Serie für die Illustrierte »Quick«. Nick Knatterton trieb die Auflage in die Höhe, es folgte die Vermarktung der Figur mit Spielen, Karnevals-Masken, Handpuppen und sogar Waschlappen. Der Spruch des Pfeife rauchenden Detektivs: »Kombiniere!« wurde zum geflügelten Wort. Seinen Erfinder machte Knatterton reich, dennoch haderte Schmidt zeitlebens mit der Figur. »Zehn Jahre meines Lebens hat mir dieser Kerl zur Hölle gemacht», beschwerte sich der in Bad Harzburg geborene und in Bremen aufgewachsene Künstler.

Wegen seines augenzwinkernden Humors war der Schnellzeichner ein gern gesehener Gast in Fernsehshows der 50er und 60er Jahre. In seinem Privathaus richtete er sich ein eigenes Trickfilm-Studio ein - die hier produzierte Zeichentrickserie »Nick Knatterton« lief regulär bis in die 80er Jahre im Fernsehen, der Meisterdetektiv blieb als Werbefigur populär. Schmidts große Leidenschaft aber waren Reisereportagen.

Die Ausstellung zeigt die zeichnerischen Anfänge des Jugendlichen in Bremen sowie seine Arbeiten für den Berliner Ullstein Verlag. 1938 begleitete der junge Grafiker den Schwergewichtsboxer Max Schmeling auf der Überfahrt nach New York zum Rückkampf gegen Joe Louis. Die Fahrt hatte einen Propaganda-Hintergrund.

Zu Schmidts Rolle in der Nazi-Zeit sagt Experte Gurski: »Er hat seine Karriere weiter durchgezogen und sich durchlaviert. Später schien er so etwas wie ein schlechtes Gewissen zu haben.« Mehrfach habe Schmidt betont, er habe nur einen Job bekommen, weil so viele gute Zeichner emigrieren mussten, erklärt der Kurator der Schau. »Ab 1946 war Schmidt Pazifist.«

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