Umstände bedingen Taten

  • Von Günter Pohl
  • Lesedauer: ca. 3.0 Min.
Günter Pohl arbeitet und schreibt regelmäßig zu den politischen Entwicklungen in Lateinamerika mit den Schwerpunkten Kolumbien, Ecuador und Kuba , unter anderem in »Unsere Zeit« (Wochenzeitung der DKP).

Die Frage, ob der bewaffnete Kampf noch eine Option für die Linke ist, impliziert - unabhängig vom Kontinent - die Idee, dass Menschen sich nach mal mehr, mal weniger reiflicher Überlegung gegen das System, in dem sie leben, freiwillig auflehnen und dafür Waffen benutzen.

Die Antwort darauf ist gleichsam universell wie individuell: universell, weil immer die Kräfteverhältnisse zu bewerten sind, unter denen dieser Versuch gewagt wird, und individuell, weil auch trotz vergleichbarer Kräfteverhältnisse die Erfolgsaussichten äußerst unterschiedlich sein können. Die Übermacht des Gegners war in den 70er Jahren in Nicaragua oder der BRD für FSLN oder RAF vergleichbar; die Erfolgsaussichten jedoch stark unterschiedlich, da das auserkorene gesellschaftliche Subjekt sich dort massiv, hierzulande aber nicht am Aufstand beteiligte. Dass andererseits Armut und Elend keineswegs einen Aufstandsautomatismus erzeugen, zeigt Bolivien, wo die K...

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