Werbung

Fragt uns aus. Wir sind zuständig

Poesiealbum: H. Sahl

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Wie eine letzte Stimme. Wie ein Ton, der um sein Verebben weiß. Diese Stimme, wenn Stimmen das können - lächelt. Ja, es ist das Lächeln einer Verabschiedung, und es gibt ein Lächeln des Abschieds, das so begütigend wie traurig wirkt. Eher begütigend als traurig - weil das Bittere nun zu Ende geht. »Unser bester Kunde ist das/ schlechte Gewissen der Nachwelt./ Greift zu, bedient euch./ Wir sind die Letzten./ Fragt uns aus. /Wir sind zuständig.« Hans Sahl.

Dem Schriftsteller, der 1902 in Dresden geboren wurde, ins US-amerikanische Exil ging, 1953 erstmalig wieder nach Deutschland kam, erst 1989 endgültig zurückkehrte, nach Tübingen, wo er 1993 starb - ihm ist jetzt ein Heft in der Reihe »Poesiealbum« gewidmet. Es sind Gedichte eines sehr leisen Klopfezeichengebers, Sahl ist noch in berechtigter Anklage ein Bittender um Gehör, und in bleibender Furcht ist er doch stetig ein Dankbarer: »Stärke schwindet, Ruhm der Strenge,/ Amt und Ordnung früher Tage,/ Und wir sind oft wunderbar/ Eingehüllt in Nacht und Klage.« So schreibt er über das Alter, und alt geworden ist dieser Feuilletonist, in dem spät der Dichter entdeckt wurde, über den Gräben und Gräbern der Finsterzeit.

Es ist das Erstaunliche an diesen Gedichten, und es darf nicht zur Beruhigung führen: Die Zuneigung fürs Leben erwächst aus den Bedingungen, die es schänden; die Kraft erwächst aus der Erfahrung der Schwäche. Das redet beileibe keiner Schwere das Wort, die nötig sei, um einer Existenz das Kostbare bewusst zu machen, es ist eher ein schlimmes Paradoxon - aber zu reden ist bei Hans Sahl sehr wohl über die Sprengkräfte des Unscheinbaren und darüber, dass sie sich verschleißen mussten an unhaltbaren Zuständen. Und doch haltbar blieben in dem, was doch eigentlich nicht durchhaltbar schien.

Das macht zornig, das weckt auf, das mischt der Lektüre dieser erzählenden Verse einen so ungeheuren Willen bei, gegen die deutsche Schande zu schreien. Gerade weil dieser Dichter so behutsam strahlt. Seit 1995 gibt es den Hans-Sahl-Preis, es ist ein Preis für, ja, so muss man sagen: Tapferkeit.

Diese Lyrik sucht nicht Metapher und Verschlüsselung, sie steht gleichsam am offenen Fenster zur Nacht und betet in klaren Worten zum wach gebliebenen Herzen. »Bewahre dich, bis deine Stunde schlägt.« hds

Poesiealbum 303: Hans Sahl. Hrsg. von Richard Pietraß. Grafik George Grosz. Märkischer Verlag Wilhelmshorst. 32 S., 4 Euro

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!