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Einschlag löst Panik aus

Druckwelle führte zu schweren Zerstörungen / Größter Brocken fiel in eine menschenleere Gegend

  • Von Axel Eichholz, Moskau
  • Lesedauer: 3 Min.
Über der russischen Stadt Tscheljabinsk ist ein Meteoritenregen niedergegangen. Hunderte Russen müssen sich ärztlich behandeln lassen. Fenster gingen kaputt, Schulen und Kindergärten werden geschlossen.

Ein blendend weißer Feuerball erscheint am Himmel über Tscheljabinsk. Er bewegt sich schnell und hinterlässt eine weiße Spur. Einige Augenzeugen schaffen es am Freitagmorgen, das leuchtende Objekt mit ihren Mobiltelefonkameras festzuhalten. Andere stürzen, teils aus Angst, teils aus Neugier, ins Freie. Nach zwei Minuten hören sie einen mächtigen Knall, dann kommt die Druckwelle.

In der Tscheljabinsker Zinkfabrik drückte sie die Außenwand einer Produktionshalle ein. In der Eisengießerei durchbohrte »etwas« das Gebäude der Personalverwaltung und richtete im Inneren laut Augenzeugen Verwüstungen an.

Die stellvertretende Katastrophenschutzministerin Russlands, Jelena Smirnych, erklärte offiziell, dass Geräte über den Gebieten Tscheljabinsk, Tjumen, Swerdlowsk und in Nordkasachstan Lichtreflexe festgehalten hätten. Folglich handle es sich um einen Meteoritenregen. Der schwerste Brocken beziehungsweise ein ganzer Himmelsstein fiel nach Angaben des russischen Innenministeriums 80 Kilometer vom Städtchen Satki entfernt in eine menschenleere Gegend. Katastrophenschützer suchen mit drei Hubschraubern danach.

Im Gebiet Tscheljabinsk mussten rund 500 Menschen ärztlich versorgt werden. Die meisten wurden durch Glassplitter von zertrümmerten Fenstern verletzt. Einige erlitten Gehirnerschütterungen, heißt es. Durch die Explosionswelle flogen Fensterscheiben aus den Rahmen, Decken stürzten ein.

Da in der Uralregion Außentemperaturen um minus 18 Grad herrschen, ordnete der oberste Amtsarzt Russlands, Gennadi Onischtschenko, an, alle Schulen und Kindergärten vorübergehend zu schließen, bis die Fenster repariert sind. Laut der Nachrichtenagentur Uralinformbüro wies der Tscheljabinsker Bürgermeister Sergej Dawydow Betriebs- und Büroleiter an, ihre Mitarbeiter nach Hause zu schicken, damit sie sich kundig machen können, was mit ihren Wohnungen und Häusern los sei. Der Gouverneur des Gebietes Tscheljabinsk, Michail Jurewitsch, brach eine Dienstreise ab und kehrte an seinen Arbeitsplatz zurück. Der für den militärisch-industriellen Komplex Russlands zuständige Vizeregierungschef Dmitri Rogosin forderte eine engere Zusammenarbeit mit den USA und anderen führenden Nationen, um vom Himmel fallende Objekte zu bekämpfen.

Weder Russland noch die USA verfügen aber über die Möglichkeit, solche Objekte, die der Erde gefährlich nahe kommen, abzuschießen. Der bekannte Populist Wladimir Schirinowski sagte der Nachrichtenagentur Interfax, er sei überzeugt, dass es kein Meteorit, sondern eine neue US-amerikanische Waffe war. Regierungschef Dmitri Medwedjew, der an einem Forum im sibirischen Krasnojarsk teilnimmt, gab sich gelassen: Der Feuerball sei ein Gruß des Himmels an das Krasnojarsker Forum gewesen.

Während Tatjana Bordowizyna von der Universität Tomsk gegenüber der Nachrichtenagentur RIA Nowosti vermutet, der Meteoritenregen sei ein Vorbote des rund 130 000 Tonnen schweren Steinbrockens gewesen, der am Freitag in Erdnähe vorbeiflog, weisen andere Experten diese Hypothese zurück. »Flugbahn und Ort des Einschlags sprechen dagegen«, sagte ein Sprecher der europäischen Weltraumagentur ESA.

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