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Kastanienbäume in der Stadt sterben aus

Experten testen auf der Suche nach Alternativen »Klimabäume«

  • Von Christiane Gläser, dpa
  • Lesedauer: 3 Min.
Eine Pause unterm Kastanienbaum? Das könnte bald der Vergangenheit angehören. Heiße Sommer machen traditionellen Stadtbäumen zu schaffen. Experten suchen nach Alternativen. Und testen »Klimabäume« in drei Klimazonen Bayerns.

Kastanien, Platanen und Linden - diese Bäume wird es künftig in deutschen Innenstädten deutlich seltener geben. Davon sind bayerische Forscher überzeugt. »Es steht ein Wechsel bei den Stadtbäumen an«, sagt Philipp Schönfeld von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG). Grund dafür sind die voranschreitenden Klimaveränderungen. »Die Sommer werden heißer, und es gibt trotzdem eisige Winter. Die Stadtbäume der Zukunft müssen also sowohl Hitze als auch Kälte und Spätfröste tolerieren«, sagt der LWG-Leiter des Sachgebietes Pflanzenökologie.

Seit 2009 untersuchen die Wissenschaftler, welche Baumarten in welchen Klimazonen am besten gedeihen. Dazu haben sie in den Innenstädten in bayerischen Orten 500 exotische Bäume gepflanzt. Sie haben sich für Hof und Münchenbernsdorf als kühlere Standorte, Würzburg als Ort mit eher mediterranem Klima und Kempten mit niederschlagsreichem Wetter entschieden. »Wir testen nur in Bayern, aber die Ergebnisse werden sich auf ganz Deutschland anwenden lassen«, so Schönfeld.

Stadtbäume sind mit denen im Wald oder Park nicht vergleichbar. Die Gewächse in der Innenstadt - an dicht befahrenen Straßen oder in engen Wohngebieten gepflanzt - müssen deutlich mehr aushalten. Da sind nicht nur Autoabgase und gegen Bäume pinkelnde Hunde. In den Städten staut sich die Wärme, die Luft ist trockener und die Bäume haben meist weniger Boden zum Leben. Das alles stresst sie. Sie werden anfälliger für Krankheiten, die Lebensdauer verkürzt sich rapide. »Früher haben Bäume in der Stadt 60 bis 80 Jahre durchgehalten, heute rechnen die Gartenämter mit einer deutlich kürzeren Lebensdauer«, so Schönfeld.

Zu den 20 vielversprechenden Baumarten, die dem Klimawandel trotzen und Stress in der Stadt aushalten könnten, gehören der Perlschnurbaum, der Dreizahn-Ahorn, der Ginkgo, die nordamerikanische Rotesche und der Lederhülsenbaum. Die Bäume kommen ursprünglich aus Asien, Amerika und dem mediterranen Raum. »Die richtige Auswahl bei den Stadtbäumen zu treffen, wird immer schwieriger. Es wird immer mehr zur kleinen Wissenschaft, welche Arten man verwenden sollte«, sagt der Würzburger Gartenamtsleiter Dieter Müller. Er hofft deshalb auf Hilfe durch die Ergebnisse des LWG-Versuches. In Würzburg stehen 15 000 Bäume, die als »Straßenbegleitgrün« gelten. In München sind es 109 000.

Bis 2021 läuft das Projekt. Zweimal im Jahr kontrollieren die Forscher die fast neu gepflanzten 500 Bäume, messen Stammumfang, Baumkrone und prüfen Blätter, Boden und Schädlingsbefall. Weniger als eine Handvoll Einrichtungen forschen zu diesem Thema. »Nach so kurzer Zeit können wir natürlich noch keine fundierten Ergebnisse publizieren. Aber es zeichnet sich schon jetzt eine Differenzierung nach Standorten ab«, sagt Schönfeld. Daraus folgt eine wichtige Erkenntnis: »Den einen idealen Stadtbaum gibt es nicht. Jeder Ort hat andere Bedingungen und darauf müssen die Bäume abgestimmt werden. Aber das war ja auch das Ziel des Projektes: für jeden Standort die besten Klimabäume zu finden.«

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