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Busfahren bis zum Umfallen

Die Kooperative Egged in Israel zeichnet sich durch eine Erfolgsgeschichte aus - und durch miese Arbeitsbedingungen

  • Von Oliver Eberhardt
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die israelische Busgesellschaft Egged ist die größte Kooperative der Welt und ein internationaler Konzern mit mehr als 10 000 Arbeitnehmern. Eine Erfolgsgeschichte? Nicht aus Sicht der Mitarbeiter, deren Rechte missachtet werden, um die Kosten zu senken.

Er sieht müde aus. »Ich bin seit acht Uhr heute morgen im Einsatz«, sagt der Fahrer, während die Fahrgäste in den Bus strömen. Jetzt ist es vier Uhr nachmittags, »hoffentlich ist bald Feierabend«, sagt der Mann.

»Hoffentlich«, weil man das bei seinem Arbeitgeber nie so genau sagen kann: »Es kommt immer wieder vor, dass der Chef in letzter Minute verlangt, noch eine Tour zu fahren, weil mal wieder nicht genug Leute da sind.«

Egged, sein Arbeitgeber, gilt als Erfolgsgeschichte: In den 30er Jahren von Busfahrern als Gemeinschaftsunternehmen gegründet, wurde daraus die weltweit größte Kooperative mit 2222 Mitgliedern und, dank eines jahrzehntelangen Monopols und subventionierter Fahrpreise ein Konzern, der unter anderem auch in den Niederlanden, Bulgarien und Polen aktiv ist und zusätzlich zu den Mitgliedern insgesamt mehr als 10 000 Menschen beschäftigt; an die 6000 davon allein in Israel. Umgerechnet rund 650 Millionen Euro betrug der Umsatz im vergangenen Jahr - und das vor allem dank der Mitarbeiter, die eine Sparmaßnahme nach der anderen über sich ergehen lassen müssen. Bei der Kosteneffizienz überschreite das Unternehmen immer wieder die Grenze des rechtlich Zulässigen, heißt es in einem Bericht des Arbeitsministeriums an einen Parlamentsausschuss, der sich vor zwei Wochen mit einer Häufung von Unfällen in den vergangenen Monaten befasste. Bei den ausländischen Tochtergesellschaft sei die Situation besser, sagen die Gewerkschaften in den Niederlanden, in Polen und Bulgarien.

Doch das Konzept ist überall das Gleiche: Die Löhne sind niedrig, die Arbeitszeiten lang, die Personaldecke angespannt bis zum Gehtnichtmehr. Wenn es, wie es in der vergangenen Woche in Israel passiert ist, Streikdrohungen gibt, erhalten die Mitarbeiter stets eine, recht geringe Einmalzahlung - 2000 Schekel, um die 350 Euro, waren das diesmal. Dafür musste sich die Gewerkschaft verpflichten, innerhalb der kommenden beiden Jahre auf Streiks zu verzichten. Die Forderung nach kürzeren Arbeitszeiten hingegen verpuffte.

Was auch und vor allem an der besonderen Stellung des Unternehmens im Lande liegt: Egged kann, wenn es will, so gut wie alles zum Stillstand bringen - denn längst fährt man nicht nur Bus; man ist auch an der Bahngesellschaft und an der Straßenbahn in Jerusalem beteiligt. Ein Streik, selbst ein kurzer, würde die Öffentlichkeit gegen die Busfahrer aufbringen; zudem stellt die Geschäftsleitung immer wieder in den Raum, gewisse Strecken einzustellen oder auszudünnen, falls höhere Gehälter durchgesetzt werden sollten. Und außerdem: Durch die hohe Arbeitslosigkeit ist jeder ersetzbar.

Das hält nicht nur Mitarbeiter und Gewerkschaft in Schach, sondern auch die Regierung, der es deshalb schwer fällt, die arbeitsrechtlichen Bestimmungen durchzusetzen: Kontrollen finden nur sporadisch statt, die eigentlich längst überfällige Liberalisierung des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs, von der sich die Befürworter weniger mächtige Unternehmen und dadurch mehr Einfluss für die Arbeitnehmer erhoffen, wird durch die nach wie vor mächtige pro-Egged-Lobby im Parlament verhindert. Das Hauptargument: Durch ein Ende des Monopols werde eine israelische Ikone zerstört.

Eine Ikone, die allerdings vor allem 2222 Menschen nutzt: Den Mitgliedern der Kooperative, die hohe Dividenden ausgezahlt bekommen. Sie gelten als die am Besten verdienenden Busfahrer der Welt - ohne Überstunden.

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