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Wenn Politiker im Netz zwitschern

Hamburgs Abgeordnete und die Sozialen Medien

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Wie kann die Politik Soziale Medien nutzen? Auf der Social Media Week in Hamburg diskutierten Abgeordnete der fünf Bürgerschaftsfraktionen.

»Nichts kann das persönliche Gespräch auf dem Wochenmarkt ersetzen«, verdeutlichte Dennis Gladiator aber schnell, dass nicht alle Politik-Strategien aus dem 20. Jahrhundert abgelöst werden sollten. Der Feuerwehrexperte der CDU müsste es wissen. Seit Februar 2009 twittert er und hat inzwischen 6000 Kurznachrichten verbreitet. 900 »Follower« erhalten seine Botschaften im Abonnement.

In Hamburgs politischer Landschaft ist Gladiator damit eine Ausnahme, wie der Moderator Martin Fuchs feststellte. Zwar seien die meisten der 121 Bürgerschaftsabgeordneten bei Facebook vertreten, doch nur etwa jeder Sechste nutze die Sozialen Medien auch aktiv, indem er regelmäßig neue Inhalte bereitstelle. »Da gibt es noch einigen Nachholbedarf«, mahnte Fuchs. Nur nicht gerade auf dem Podium im »Kultwerk West«, das eher ein Gipfeltreffen der parlamentarischen Social-Media-Avantgarde war als ein Streitgespräch. Befürchtungen, das Stadtparlament würde sich durch exzessiven Einsatz der Technik zur »Twitterbude« entwickeln, blieben dem Publikum vorbehalten.

»Nach einer Anhörung zur Absenkung des Wahlalters haben sich eine Menge Jugendliche beschwert, dass man mit Politikern so schwer in eine Diskussion kommt, weil sie nicht in den Sozialen Medien vertreten sind«, erzählte die Parlamentarische Geschäftsführerin der LINKEN, Christiane Schneider, warum sie sich im November 2011 zur Nutzung von Facebook, Twitter und Co. entschloss: »Kommunikation wird flüchtiger und kürzer. Da ist es spannend, ob es gelingt, eine Botschaft in wenigen Zeichen rüberzubringen.«

»Manche Leute sprechen wir über klassische Medien gar nicht mehr an«, stellte auch die grüne Landesvorsitzende Katharina Fegebank fest, mit 1300 »Followern« die »erfolgreichste« Twitterin des Abgeordneten-Quintetts. Überhaupt erhielt der Kurznachrichtendienst von den Parlamentariern bessere Noten als Facebook. »Ich habe in Twitter mein Medium gefunden«, sagte die SPD-Vertreterin Annkathrin Kammeyer, mit 23 Jahren die jüngste Bürgerschaftsabgeordnete: »Facebook bedient eher den eigenen Dunstkreis. Bei Twitter erhalte ich auch Rückmeldungen aus Nordrhein-Westfalen oder Sachsen.«

»Facebook bedient nur den eigenen Dunstkreis«

»Das Mitteilungsbedürfnis, das man als Politiker hat, kann man sehr schnell umsetzen«, befand auch FDP-Zwitscherer Robert Bläsing, der sich mit der Netzgemeinde auch gern über die TV-Serien »Tatort« und »Lindenstraße« austauscht. Doch inwieweit erodieren die Sozialen Medien die altbekannte Trennung zwischen politischem und Privatem? »Der Spagat zwischen Mensch und Inhalten ist eine schwierige Entscheidung, die jeder für sich treffen muss. Ich lasse keine Journalisten in meine Wohnung, also bleibt der Samstagabend mit der Freundin auch in den Sozialen Medien außen vor«, formulierte der CDU-Vertreter Gladiator.

Einigkeit bestand, dass Soziale Medien kaum als letzter Rettungsanker taugen, wenn den Strategen im Wahlkampf nichts mehr einfällt. Nur, wer auch zwischen Urnengängen aktiv ist, könne sich ein glaubwürdiges Profil verschaffen. Das Podiums-Quintett hat also im Vorfeld der nächsten Hamburg-Wahlen im Jahre 2015 noch einiges an Überzeugungsarbeit zu leisten.

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