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Überlebt wird brasilianisch

»Ópera do Malandro« in Neukölln

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Unverschämt gut. Unverschämt gemacht und damit einzigartig ist die Inszenierung der »Ópera do Malandro« an der Neuköllner Oper. So wie hier, lässt sie sich nur mit brasilianischem Lebensgefühl durch Brasilianer und Deutsche, die sich darin auskennen, umsetzen. Dieses Musiktheater ist in einer Direktheit inszeniert, wie sie im Deutschen undenkbar ist. Selbst ihr Dreigroschenoper-Vorbild stellt sie in ihrer Frechheit in den Schatten.

Mit Vehemenz suchte Lilli-Hannah Hoepner, die das Stück inszenierte und zusammen mit Luciana Rangel und Bernhard Glocksin die deutsche Textfassung der Oper von Chico Buarque schuf, in Berlin den passenden Ort für die deutsche Erstaufführung des ungewöhnlichen Werkes aus. 1978 wurde die brasilianische Bettleroper, die Chico Buarque zeitlich in den 40er Jahren ansiedelte, in Rio de Janeiro erstmals aufgeführt. Sie spielt in Lapa, einem Rotlichtviertel in Rio, wo sich skrupellose Geschäftsleute, Wucherer, Schmuggler und korrupte Polizisten gegenseitig die Taschen vollhauen und ausräumen. Die Hackordnung wird schon im ersten Song deutlich. Geld regiert. Ein Menschenleben zählt nicht. Am Ende der Nahrungskette wird kassiert.

Chico Buarque, einer der bedeutendsten Vertreter der Música Popular Brasileira, siedelte die Oper »mit dem kritischen Blick von Brecht, aber ganz und gar brasilianisch« zeitlich zum Ende der Getulio-Vargas-Diktatur an. Die Gauneroper schlägt jedoch den Bogen bis heute zur globalen Krise. Buarque sieht nur noch zwei Gruppen von Menschen: »Die, die um ihr Überleben kämpfen und die, die sich bereichern wollen«.

So sind seine aneinander geratenen Täter und Opfer auch gezeichnet. Der Zuhälter Duran (Guido Renner), seine Frau, die Puffmutter Vitória (Suely Lauar), ihre Tochter Teresinha (Julia Gámez Martin), der Schmugglerbandenboss Max Overseas (Daniel Schröder) und der korrupte Polizeichef Chaves (Claudio Conçalves) finden sich Figuren gegenüber, die gar keine andere Wahl haben, als sich zwischen ihnen zu arrangieren wie der gesetzlose Barrabás (Marcella Maria Xuparina dos Santos), die Tochter des Polizeichefs Lúcia (Isabela Santos) und die Prostituierten oder der Transvestit Geni (Daniel Ris), die von allen getreten werden.

Das auch choreographisch hervorragend von Rônni Maciel erarbeitete Stück mündet keineswegs in Mord und Totschlag, obwohl fast alle Beteiligten ständig mit ihren Revolvern herumfuchteln. Geflucht, gesprochen und gesungen wird zumeist in Portugiesisch und in Übertiteln übersetzt. Gilvan Coêlho de Oliveira schuf die raffinierte Ausstattung mit Arkaden, deren »Säulen« sich drehen lassen und dabei Requisiten hergeben.

Die wilde »Ópera do Malandro« ist ein Geschenk für Berlin. Mutig, politisch auf dem neuesten Stand. Und zum Schluss gründen die Ganoven eine Bank.

Bis 3.3., 20 Uhr, Neuköllner Oper, Karl-Marx-Str. 131, Neukölln, Tel.: (030) 68 89 07 77, Infos: www.neukoellneroper.de

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