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Feiern im blauen Dunst

Universitätsstudie: In 92 von 100 Berliner Clubs und Diskotheken wird immer noch geraucht

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Berliner Clubs und Diskotheken nehmen es mit dem Nichtraucherschutz nicht so genau. Eine Studie der Technischen Universität Berlin (TU) im Auftrag der Stiftung »Rauchfrei leben« wies nach, dass in 92 Prozent der Lokalitäten nach wie vor geraucht wird.

Die Partygänger müssen durch verqualmte Eingangsbereiche, die Türen zu gekennzeichneten Raucherräumen stehen offen oder es wird sowieso in allen Bereichen gepafft - Abtrennung hin oder her. Offenbar stört das die Nachtschwärmer nicht so sehr, dass sie diese Clubs nicht mehr besuchen würden. Es handelt sich dabei um Zustände, die in 92 Prozent der 100 ausgewählten Diskotheken üblich sind. Ausgewählt wurden sie per Stichprobe aus etwa 250 Veranstaltungsorten mit regelmäßigen Öffnungszeiten, wobei Konzerthallen und Jugendfreizeiteinrichtungen nicht einbezogen wurden. Die Erhebung fand im vergangenen September an drei Wochenenden zwischen 24 und vier Uhr morgens statt, wobei die Testbesucher sich jeweils eine Stunde in den Räumen aufhielten. Studienleiter Elmar Väth von der TU Berlin nennt, »in Vereinbarung mit dem Auftraggeber«, keine Namen, auch nicht die der acht rauchfreien Betriebe: »Wir machen hier keine schwarzen Listen.«

Johannes Spatz vom »Forum Rauchfrei« erklärt das damit, dass es vor allem um dringend notwendige Nachbesserungen am aktuellen Berliner Nichtraucherschutz-Gesetz gehe. In Orientierung an eindeutigeren Regelungen etwa in Bayern, Nordrhein-Westfalen und im Saarland sollte man auch in Berlin die Ausnahmen streichen. Diese erlaubten zum Beispiel, dass kleine Diskotheken mit weniger als 75 Quadratmeter Fläche zu Raucherlokalen umgewidmet würden. Tanzwillige Nichtraucher müssten besser geschützt werden. Ein ausnahmefreies Gesetz würde auch die Kontrollen vereinfachen, wobei die Bereitschaft der Ordnungsämter zu Nacht- und Wochenendeinsätzen von Spatz nicht überschätzt wird.

Heiko Thomas, für die Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus, wäre auch eher für einfache und klare Regelungen. Aus seiner Sicht müsste aber erst einmal das aktuelle Gesetz eingehalten werden. Spatz wiederum kritisiert die Kompromissbereitschaft von Senatsverwaltung und der Berliner Drogenbeauftragten Christine Köhler-Azara. Auch der vorherige rot-rote Senat habe sich die Probleme bereits »zurechtgeredet«. Trotzdem hoffen das »Forum Rauchfrei« und weitere Organisationen auf ein Gespräch mit Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU). Im Wahlkampf habe sich der noch für ein Rauchverbot auf Kinderspielplätzen stark gemacht, eine weitere notwendige Änderung am Berliner Gesetz. In der Koalitionsvereinbarung geht es aber inzwischen auch nur um »Kontrolle und das Einhalten« der bestehenden Regelungen.

Schützenhilfe bekommen die Nichtraucherlobbyisten aus Brüssel: Die Europäische Kommission hatte am letzten Freitag mitgeteilt, dass die Belastung durch das Passivrauchen zwar schon zurückgegangen, aber immer noch ein Problem sei. Außerdem machten sich positive gesundheitliche Auswirkungen unmittelbar bemerkbar, zum Beispiel durch weniger Herzinfarkte und Atemwegserkrankungen. Der Kommissionsbericht gibt auch ein weiteres Argument für ein relativ hartes Durchgreifen beim Nichtraucherschutz: Auswirkungen auf die Einnahmen von Bars und Restaurants seien »begrenzt, neutral oder langfristig sogar positiv«. Dafür sprechen in Deutschland die neuerdings rauchfreien Wiesn-Zelte beim Münchner Oktoberfest, was selbst die dortigen Wirte positiv überrascht haben soll.

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