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Timbuktu kämpft um Kulturschätze

UNESCO und Frankreich engagieren sich für die Rettung

  • Von Ralf Klingsieck, Paris
  • Lesedauer: 3 Min.

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Nachdem Frankreich durch seinen Militäreinsatz in Mali den Siegeszug der Islamisten auf die Hauptstadt Bamako gestoppt und sie zusammen mit der malischen Armee aus ihren Positionen im Nordens des Landes vertrieben hat, will sich Paris jetzt auch federführend bei der Beseitigung der Schäden an den Kulturschätzen des Landes engagieren.

Als Präsident François Hollande Anfang des Monats zu einem kurzen Besuch ins gerade befreite Timbuktu kam, hatte er dazu auch die Generaldirektorin der UNESCO, Irina Bokova, eingeladen. Das lag nahe, denn die UNO-Spezialorganisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur hat ihren Sitz in Paris. Beide konnten sich vor Ort von den Schäden überzeugen, die die Islamisten in ihrem Fanatismus an den 1988 von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannten drei Moscheen, 16 Mausoleen und der Bibliothek mit ihren 100 000 Handschriften angerichtet haben.

In der um 1100 von Nomadenstämmen der Touareg gegründete Stadt, die jahrhundertelang das Zentrum ihrer Kultur war, wurden die früher durch die Karawanen mitgeführten Aufzeichnungen gesammelt. Außer der Bibliothek der Stadt gibt es rund 30 private Bibliotheken mit weiteren 200 000 Handschriften. Von diesen Dokumenten reichen manche bis in vorislamische Zeit zurück. Darin haben die Nomaden ihre Erlebnisse, Erfahrungen, Erkenntnisse und die Regeln ihres Zusammenlebens niedergeschrieben und heute sind dies unschätzbare Zeugnisse der Völkerkunde, Geografie und Botanik sowie der Geschichte und vor allem des Rechts.

Als die Islamisten-Milizen im Juni 2012 die Stadt einnahmen und mit ihrer Zerstörung drohten, hat die UNESCO sie umgehend auf die Liste der gefährdeten Kulturschätze gesetzt. Doch dieser symbolische und eher hilflose Akt hat den Fanatismus der Islamisten nur noch angefacht. Sie rissen nach und nach einige der Mausoleen ab, in denen sie Zeugnisse einer »Abweichung vom Islam« oder gar der »Götzenanbetung« sahen, und bevor sie im Januar abzogen, verbrannten sie auf einem Scheiterhaufen eine Anzahl Manuskript der Bibliothek von Timbuktu.

Die Zerstörungen und die Bücherverbrennung, die öffentlich vor der Bevölkerung stattfanden, filmten die Islamisten und diese Propagandavideos spielten sie über Helfer in Mauretanien den internationalen Medien zu. Damit wollten sie wohl unter Muslimen im Ausland für ihren Scharia-Feldzug werben, doch zugleich löste dies eine weltweite Welle der Empörung und Verurteilung aus.

Inzwischen wurde vor Ort festgestellt, dass die Schäden glücklicherweise geringer sind als befürchtet. Zwar sind sieben der 16 Mausoleen zerstört, doch 90 Prozent der Manuskripte der Bibliothek konnten durch den mutigen Einsatz von Mitarbeitern und anderen Einwohnern hinter dem Rücken der Islamisten beiseite geschafft und versteckt werden.

Für den Wiederaufbau der zerstörten Mausoleen und die Sicherung der Bibliothek mit ihren Manuskripten hat die UNESCO jetzt 7,5 Millionen Euro bereitgestellt. Das ist natürlich nur ein Bruchteil dessen, was gebraucht wird. Aber die Möglichkeiten der UNESCO sind begrenzt, seit die USA als Vergeltung für die Anerkennung Palästinas als Vollmitglied ihren Beitrag zurückhält und so jährlich 22 Prozent am Budget der UNESCO fehlen.

Frankreich will Hilfe leisten, hat diese aber noch nicht beziffert. Kein Wunder, ist doch aufgrund der rigorosen Sparpolitik gerade erst der Kulturhaushalt für 2013 um eine Milliarde Euro gegenüber dem Vorjahr gekürzt worden. Die französische Nationalbibliothek hat Hilfe bei der Digitalisierung der Manuskripte der Bibliothek und damit ihrer Erschließung für Forscher aus aller Welt angeboten. Doch die Nationalbibliothek hat schon Probleme bei der Digitalisierung ihres eigenen Bestandes und will dafür Privatunternehmen gewinnen, die im Gegenzug die alten Werke als eBooks vermarkten können. So wird Frankreich wohl vor allem medienwirksam die Sicherungs- und Wiederaufbauarbeiten in Timbuktu koordinieren und für deren Finanzierung ein gutes Wort bei reicheren Partner wie den Golfstaaten einlegen.

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