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Luxusvilla für die Freifrau

Prozess in Köln: Ex-Führung von Sal. Oppenheim soll Millionensummen veruntreut haben

  • Von Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 5 Min.

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Heute beginnt in Köln der bislang wohl spektakulärste Wirtschaftsstrafprozess gegen Bankiers in Deutschland. Anklagt sind die ehemalige Führungsriege des Bankhauses Sal. Oppenheim und ein Geschäftspartner.

Die vermeintlichen Opfer sind ausgerechnet Wirtschaftsprominente, darunter der Milliardär Wilhelm von Finck jun., Schuh-Discounter-Inhaber Deichmann und Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz. Die vermögenden Bankkunden fühlen sich getäuscht von vier ehemaligen persönlich haftenden Gesellschaftern von Sal. Oppenheim, der einst größten Privatbank Europas.

Das Kölner Landgericht wird sich im Saal 210 auf drei, zu zwei Anklagen zusammengefasste Immobiliengeschäfte beschränken, die von den Behörden genauestens dokumentiert zu sein scheinen. Die seit 2010 ermittelnde Staatsanwaltschaft wirft den Exbankiers und ihrem nicht weniger schillernden Geschäftspartner, dem Immobilienunternehmer und Reichen-Berater Josef Esch, eine Vermischung privater Geschäfte mit denen der Bank und zu deren Ungunsten vor. Esch soll reiche Kunden zu der schwächelnden Bank gelotst haben.

Die Anklage lautet auf Untreue in besonders schwerem Fall und Beihilfe dazu. Der Gesamtschaden belaufe sich auf rund 150 Millionen Euro. Sollten sich in 78 geplanten Prozesstagen die Vorwürfe bewahrheiten, droht den Bankiers eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren. Im ersten Fall geht es um eine 2005 von der Bank teuer gekaufte und renovierte Villa im Kölner Millionärsviertel Marienburg, die laut Medienberichten mit »Triple-B« ausgestattet wurde: Bibliothek, Badelandschaft und Butlerwohnung. Die Miete von 29 167 Euro, welche Jeane Freifrau von Oppenheim, Mutter des damals persönlich haftenden Bankgesellschafters Christopher Freiherr von Oppenheim, an die quasi familieneigene Bank monatlich überwies, lag laut Anklage deutlich unter Marktniveau. Im anderen Fall geht es um extrem überhöhte Mieten, die die Bank für einen Bürokomplex in Köln an eine Gesellschaft gezahlt haben soll, hinter der zwei Oppenheim-Gesellschafter und deren Immobilienpartner Esch standen, sowie ein ähnliches Geschäft in Frankfurt. Gespannt darf man auch sein, ob sich der damalige Vorstand einen Kredit über 750 Millionen Euro spendierte - ohne ausreichende Sicherheiten.

Die Staatsanwaltschaft kündigte am Mittwoch noch eine dritte Anklage - auf Verstoß gegen das Kreditwesengesetz - an, die gesondert behandelt wird. Es geht um einen Kredit an Madeleine Schickedanz über rund 350 Millionen Euro zum Kauf von Karstadt-Aktien. Das Geld soll illegal über eine Tarnfirma geflossen sein, da die Quelle-Erbin bereits mit 650 Millionen Euro bei Oppenheim in der Kreide stand. Frau Schickedanz gibt der Oppenheim-Esch-Gruppe die Schuld am Verlust ihres Milliardenvermögens und hat die Angeklagten auf 1,9 Milliarden Euro Schadenersatz verklagt.

Um weitere heiße Deals mit Prominenten rankt sich eine unüberschaubare Zahl an Zivilprozessen: Die Wirtschaftsgrößen fühlen sich von den Oppenheim-Bankiers und ihrem Partner Esch getäuscht. Nun gilt auch in diesem Seifenoper-Szenario aus Gier, Nieten in Nadelstreifen und blindem Vertrauen die Unschuldsvermutung. In ersten Verfahren gelang es angeblichen Opfern nicht, sich dem Gericht als falsch beraten und verkauft darzustellen.

Die Privatbank galt als geheimnisumwittert. Der Publizist Werner Rügemer stellte sie in seinem Buch »Der Bankier« als Platzhirschen im Kölner Klüngel mit brauner Vergangenheit bloß. Bankenkrise und eine Reihe von Fehlinvestitionen unter dem angeklagten Vierer-Quartett brachten die Bank und ihre 4000 Beschäftigten in Schieflage. Die Deutsche Bank kaufte die angeschlagene Privatbank, die ihren Konzernsitz ins Steuerparadies Luxemburg verlegt hatte, einschließlich der BHF-Bank dann für mehr als eine Milliarde Euro auf.

Mit der Übernahme baute die Deutsche Bank unter der Ägide von Josef Ackermann ihr Vermögensverwaltungsgeschäft deutlich aus. Dabei könnte der Deutsche-Bank-Chef um mögliche Regelverstöße gewusst haben: Im Dezember 2012 wurde dem WDR ein vertrauliches Rechtsgutachten zugespielt, in dem vor Risiken über 1,8 Milliarden Euro aus Immobilientransaktionen der Oppenheim-Esch-Gruppe gewarnt wurde. Das Gutachten hatte die Deutsche Bank in Auftrag gegeben, bevor sie Sal. Oppenheim 2010 übernahm. Darin heißt es, die Informationen für Schickedanz & Co. hätten teilweise »nicht den gesetzlichen Anforderungen entsprochen«.


Die Sal. Oppenheim jr. & Cie. AG & Co. KGaA war lange Zeit Europas größte Privatbank. Gegründet 1789 vom damals 17-jährigen Salomon Oppenheim jr., blieb das Kölner Geldhaus über Jahrhunderte im Familienbesitz. Ein Spross der Familie wurde im 19. Jahrhundert in den preußischen Freiherrnstand erhoben. Die Bank betätigte sich in den letzten Jahrzehnten vor allem in der Vermögensverwaltung für einen exklusiven Kreis des Geld- und Hochadels. Im Sommer 2009 schlitterte sie aufgrund von riskanten Investments beinahe in die Pleite. Seit März 2010 gehört Sal. Oppenheim der Deutschen Bank. nd

Matthias Graf von Krockow (63) war als Ehemann von Oppenheim-Enkelin Ilona Baronesse Ullmann Mitglied einer der Eigentümerfamilien von Sal. Oppenheim. Bis Heiligabend 2009 war er einer von vier persönlich haftenden Gesellschaftern.

Friedrich Carl Janssen (68) gehörte ebenfalls zu den persönlich haftenden Gesellschaftern. Der als Stratege und kühler Zahlenmensch geltende frühere Wirtschaftsprüfer war für das Risikomanagement verantwortlich. Er ging Anfang 2010.

Dieter Pfundt (60) war Chef des Investmentbankings, das in den Krisenjahren dreistellige Millionenverluste einfuhr. Anfang 2010 kehrte Pfundt Sal. Oppenheim den Rücken. Heute ist er in Hessen als Vermögensberater tätig.

Christopher Freiherr von Oppenheim (47) ist Ururururenkel des Bankengründers. CvO - so wird er häufig abgekürzt - war als Gesellschafter für das exklusive Privatkundengeschäft zuständig. Er ist heute Mitglied der Vollversammlung der Kölner IHK.

Josef Esch (56), Immobilienunternehmer aus Troisdorf bei Bonn, galt zuletzt als wichtigster Partner der Bank. Mit Sal. Oppenheim legte der gelernte Maurerpolier Dutzende Fonds auf. Er ist Geschäftsführer der Oppenheim-Esch-Holding.

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