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Seit 100 Jahren ohne fairen Lohn

Nestlé & Co: Nachhaltigkeit in Landwirtschaft bleibt Lippenbekenntnis

  • Von Marlene Göring
  • Lesedauer: 2 Min.

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Landrechte für Kleinbauern oder angemessener Lohn: Nur die wenigsten Lebensmittelkonzerne beschäftigen sich mit diesen Themen. Obwohl es in den meisten Fällen internationale Richtlinien dazu gibt. Eine Studie hat die »Großen Zehn« in der Nahrungsmittelindustrie untersucht. Ergebnis: Zwischen Anspruch und Realität liegen oft Welten.

1,1 Milliarden Dollar erwirtschaften Coca-Cola, Danone, Unilever, Kellogg’s, Mars, Mondelez, Nestlé, PepsiCo, General Mills und Associated British Food jeden Tag. Gleichzeitig leiden fast ebenso viele Menschen täglich Hunger. Bis zu 80 Prozent von ihnen sind in der Landwirtschaft beschäftigt. Die Studie »Behind the Brands« der Hilfsorganisation Oxfam zeigt: Die zehn größten Konzerne tun wenig, um dieser Situation zu begegnen - obwohl sie es könnten. »In unseren Augen reichen weder die bisherigen Selbstverpflichtungen, noch die konkreten Maßnahmen aus«, sagt Frank Braßel, stellvertretender Kampagnenleiter bei Oxfam.

Anhand von sieben Kriterien hat Oxfam die Konzerne auf Konflikte zwischen Politikrichtlinien und ihrem Handeln analysiert. Besonders großen Handlungsbedarf gebe es demnach bei dem Umgang mit Kleinbauern. Keines der untersuchten Unternehmen habe Richtlinien implementiert, um sie vor gewaltsamer Landnahme zu schützen. Der Zugang zu Händlern würde direkt oder durch Marktkonzentration verwehrt. Kleine Produzenten würden so in eine immer schwächere Position gedrängt, die faire Preise und Löhne unmöglich mache - eine Situation, die sich seit Kolonialzeiten wenig verändert habe.

Überraschend unterrepräsentiert sei auch das Thema Rechte von Arbeiterinnen und Bäuerinnen, so Braßel. Frauen würden systematisch benachteiligt und seien in der Landwirtschaft fast ausschließlich für niedrigste Löhne beschäftigt, stellt die Studie fest. Trotzdem hätten bisher nur CocaCola und PepsiCo entsprechende Verpflichtungen untergezeichnet. Wenig engagiert zeigen sich die »Großen Zehn« auch beim Klimaschutz in der Landwirtschaft. Während Fabriken immer effizienter werden, gebe es bisher keine Bestrebungen, dies auch im Agrarbereich umzusetzen. Dessen Emissionen würden nicht erfasst - obwohl sie über 50 Prozent des ökologischen Abdrucks in der Lebensmittelproduktion ausmachen. Ebenso schütze keines der Unternehmen die Produzentenländer vor der Ausbeutung von lokalen Ressourcen. So verkaufe Nestlé in Pakistan, wo viele keinen Zugang zu trinkbarem Wasser haben, in Flaschen abgefülltes Grundwasser. Durch diese Praxis sinke der Grundwasserspiegel dramatisch.

Das größte Problem sei aber die Transparenz. Daten zu Produktionsbedingungen bis in die Handelskette hinein seien selten verfügbar, Zulieferer würden verheimlicht. »Manche Unternehmen wollen nichts preisgeben, andere sagen, sie wüssten nicht, wo die einzelnen Produktbausteine herkommen«, so Braßel. Der Kampagnenleiter bezweifelt dies aber. Wahrscheinlicher sei, dass sich Unternehmen schlicht nicht dafür interessieren, unter welchen Bedingungen die Rohstoffe für ihre Produkte entstehen - und ihre Zulieferer deshalb lieber ausblenden.

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