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Hauptstadtgeografie mit Tücken

Der Volksmund hat alternative Bezeichnungen für viele Teile Kopenhagens parat

  • Von Andreas Knudsen, Kopenhagen
  • Lesedauer: 3 Min.

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Auf der Karte sieht alles klar aus: Kopenhagen, am Öresund gelegen, und die einzelnen Stadtteile mit deutlichen Bezeichnungen wie Nørrebro, Gentofte oder Amager. Das tägliche Leben der Stadt mit rund 1,2 Millionen Einwohnern kann die normalen geografischen Bezeichnungen aber außer Kraft setzen und dem Uneingeweihten Probleme bereiten, sich zurechtzufinden. In E-Mails oder SMS wird København, »die Stadt der Kaufleute« zu CPH, was sicherlich abgeleitet ist von der Bezeichnung der Stadt im Flugverkehr. Jütländer ziehen jedoch den Namen »Københavnstrup« vor, da viele Orte auf der Halbinsel eine -strup-Endung haben und man damit andeuten kann, dass die feinen Hauptstädter auch bloß in einer etwas größeren Provinzstadt leben.

Der größte Flughafen des Landes liegt auf der »Lorte-Ø«-Insel und ist die wenig poetische Erinnerung daran, dass auf Amager, wie es die Karte wiedergibt, früher die Kläranlagen und Abfallberge der Hauptstadt lagen. Diese selbst liegt auf der Teufelsinsel, aber man muss nicht befürchten, in der dazumal gefürchteten französischen Strafkolonie gelandet zu sein. Die Provinzbewohner, und hier insbesondere die aus Jütland, nennen die Hauptinsel Seeland so. Warum, kann man nur mutmaßen, aber die wahrscheinlichste Erklärung ist, dass hier Regierung und zentrale Behörden, darunter die Steuerverwaltung, konzentriert sind. Letztere, so behaupten wiederum die Hauptstädter, würde auch zwei Generationen nach der Einführung der Mehrwertsteuer Einführungskurse in seiner Erhebung in Jütland durchführen müssen.

Amager und Seeland müssen noch eine andere liebevolle Bezeichnung teilen, nämlich »Schwedisch-Kongo«. Dieser Name ist relativ neu und entstand im Gefolge des Einzuges eines ganzen Heeres von Schweden, die in den letzten zehn Jahren in Geschäften und Restaurants arbeiten und die Hauptstädter zwingen, das Sprachohr zu spitzen.

Wer zu den Spitzen(verdienern) des Landes gehört, kann nach schwedischen Sprachübungen wieder nach »Jeantofte« fahren. Der Stadtplan spricht von Gentofte, aber ihren Bewohnern wird nachgesagt, dass Französisch hoch im Kurs steht. Die Stadt ist Teil des Whiskeygürtels nördlich von Kopenhagen ob des vermuteten Lieblingsgetränkes. Das wird kaum der Fall sein im Nørrebronx oder eigentlich Nørrebro, in dem die Mehrheit der Einwohner mittelöstlicher Herkunft ist.

Die verschiedenen Küstenabschnitte am Öresund haben ebenfalls eigenwillige Bezeichnungen. Die Goldküste liegt nicht länger im kolonialen Afrika, sondern bezeichnet das teure Pflaster im umgestalteten Südhafen. Eine Remouladenküste bezieht sich auf das proletarisch geprägte Brøndby und den Farben seines Fußballklubs. Rot spielt im Fußball eine gewisse, wenn auch nicht rühmliche Rolle, darf aber auch im Farbenspiel der Hauptstadt nicht fehlen. Værløse nördlich der Hauptstadt hat einen Roten Platz, so dass man nicht nach Moskau fliegen muss. Ganz so imposant wie der Kreml ist das Stadtzentrum aber nicht, der Name ist abgeleitet aus den Gebäuden aus roten Steinen.

Zum Schluss noch eine Bezeichnung, die ein Zuzügler, der mit dem Auto zur Arbeit fährt, schnell lernen muss. Die Verkehrsmeldungen kommen nicht umhin, Staus am Schokoladenkreuz zu melden. Der GPS kennt den schönen Namen nicht. Es ist eine vielbefahrene Kreuzung an der Balleruper Schokoladenfabrik.

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