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Schimmelpilzgift in Tierfutter entdeckt

10 000 Tonnen belasteter Mais vor allem an Milchkühe in Niedersachsen verfüttert

Schon wieder Alarm im Lebensmittelbereich: Mit Schimmelpilzgift verseuchter Mais ist unter anderem an Milchkühe verfüttert worden, vor allem in Niedersachsen.

Kaum ist die Aufregung um Pferdefleischlasagne und den Schummel mit Bio- und Freiland-Eiern abgeebbt, kommt eine neue Meldung, die Verbrauchern den Appetit verderben dürfte: Es besteht die Gefahr, dass Trinkmilch mit dem Krebs erregenden Stoff Aflatoxin verunreinigt ist. Ursache ist laut dem niedersächsischen Landwirtschaftsministerium giftbelasteter Futtermais aus Serbien. Er ist vor allem in Niedersachsen in viele Ställe geliefert worden. Es sei aber unwahrscheinlich, dass Menschen durch das Milchtrinken gefährdet seien, so das Ministerium. In den Molkereien wird demnach die Milch regelmäßig auf Aflatoxin untersucht.

Rund 45 000 Tonnen Mais hatte ein Schiff aus Serbien nach Niedersachsen in den Weserhafen Brake transportiert. Dass die Körner mit dem Schimmelpilzgift belastet waren, stellte sich erst heraus, nachdem eine Molkerei in der Milchlieferung eines Landwirtes Aflatoxin entdeckt hatte. Der Befund wurde sogleich gemeldet, noch rechtzeitig, um die Auslieferung von 35 000 Tonnen des kontaminierten Maises zu verhindern.

Doch 10 000 Tonnen waren bereits unterwegs zu 13 Firmen. Sie verwendeten den Mais zur Herstellung von Mischfutter für Rinder, Geflügel und Schweine und verkauften es an 3560 landwirtschaftliche Betriebe in Niedersachsen. Geringe Mengen sollen auch nach Nordrhein-Westfalen, Brandenburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen sowie in die Niederlande gelangt sein.

Nach dem Giftalarm aus der Molkerei informierten die Niedersachsen alle betroffenen Länder und das Bundesministerium für Ernährung. Das Landesamt für Verbraucherschutz wurde eingeschaltet. Die Sache wird sehr ernst genommen: Aflatoxin zählt zu den gefährlichsten Stoffen, die beim Menschen Krebs hervorrufen können. Gebildet wird das Gift u. a. vom Pilz Aspergillus, der auch das Essen verschimmelter Lebensmittel riskant macht. Angesichts dessen gibt es strenge Aflatoxin-Grenzwerte für Lebens- und Futtermittel.

Mit den 10 000 Tonnen Mais sind womöglich unzählige Tiere in deutschen Ställen gefüttert worden. Nach erster vorläufiger Einschätzung des Landwirtschaftsministeriums in Niedersachsen dürfte aber der Aflatoxin-Gehalt im Fleisch dieser Tiere nicht über der zulässigen Höchstgrenze liegen. Bei Milch jedoch sind schon geringe Überschreitungen des Grenzwertes kritisch. Deshalb wird jetzt in den betroffenen Betrieben ermittelt, ob sie bereits belasteten Mais an Kühe verfüttert haben. In diesem Fall darf die Milch dieser Tiere nicht an Molkereien geliefert werden. Das kontaminierte Futter müssen die Landwirte entsorgen. Erst wenn Untersuchungen belegen, dass die Milch risikofrei ist, wird sie wieder für Verbraucher frei gegeben.

Derweil bestätigte das Bundesverbraucherministerium, die Bundesländer bereits im Herbst 2012 vor möglichen Belastungen gewarnt zu haben. In den vergangenen Monaten seien EU-weit Schnellwarnmeldungen zu erhöhten Aflatoxin-Gehalten in Mais aus verschiedenen EU-Staaten eingegangen, bestätigte ein Sprecher am Freitag in Berlin. Das Ministerium habe daher im Oktober die für Futtermittelkontrollen zuständigen Länderbehörden und die Wirtschaft auf die Gefahr erhöhter Werte aus der Maisernte 2012 hingewiesen und um Wachsamkeit gebeten.

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