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Schuldenbremse gefährdet Nachhaltigkeit der Wälder

IG BAU fordert Ausbildungsoffensive und bessere Arbeitsbedingungen für Forstarbeiter

  • Von Hans-Gerd Öfinger
  • Lesedauer: 3 Min.

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Den Deutschen Wäldern geht es gut. Doch Stellenabbau in den Forstbetrieben könnte dies gefährden.

Nicht alle Zeitgenossen, die gerne von »Nachhaltigkeit« sprechen, kennen den Ursprung dieses Worts. Er stammt nicht von den Pionieren der Ökobewegung, sondern wurde erstmals schriftlich vom sächsischen Oberberghauptmann Hans von Carlowitz geprägt. Dieser stellte 1713 fest: »Die Ökonomie hat der Wohlfahrt des Gemeinwesens zu dienen. Sie ist zu einem schonenden Umgang mit der Natur verpflichtet und an die Verantwortung für künftige Generationen gebunden.«

Von Carlowitz bereitete der Raubbau an Sachsens Wäldern Kopfzerbrechen. Denn die regionalen Erzgruben und Schmelzhütten hatten einen unbändigen Hunger auf Holz als Brennstoff. Im Interesse künftiger Generationen forderte er statt kurzfristiger Gewinnorientierung einen »respektvollen«, »pfleglichen« und »nachhaltenden« Umgang mit der Natur.

300 Jahre später erinnern Fachwelt und Gewerkschaft IG Bauen, Agrar, Umwelt (IG BAU) an das Vermächtnis des sächsischen Visionärs. Zwar hat sich der Zustand der Wälder durch wissenschaftliche Erkenntnisse, einen geregelten Waldbau, Gesetze und Ökostandards durchaus verbessert. Doch im 21. Jahrhundert drohen in Europas Forstland Nummer 1, Deutschland, nicht weniger große Gefahren als im damaligen Sachsen.

So befürchtet die Forstgewerkschaft, dass die Früchte einer jahrhundertelangen Voraussicht durch öffentliche Ausgabenkürzungen und »Schuldenbremse« leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden könnten. »Das Spardiktat von Bund, Ländern und Kommunen bedroht den Forstbestand«, warnte IG-BAU-Bundesvorstandsmitglied Harald Schaum bei einer Fachtagung seiner Gewerkschaft in Steinbach bei Frankfurt/Main: »Die öffentliche Hand führt den Wald zunehmend wie ein Industrieunternehmen.« Gewinnmaximierung gebe es aber im Forst nur genau einmal. »Dann ist der Wald verschwunden«, sagte Schaum.

Weil gesunder Wald auf Dauer nur mit einer fachgerechten Bewirtschaftung gedeihen könne, sei der seit Jahren vorgegebene blinde Personalabbau in den Forstverwaltungen »gerade nicht nachhaltig«, so der Gewerkschafter. Noch zehre der Wald von jahrzehntelanger fachkundiger Betreuung. Weil aber ein Großteil der Forstbeschäftigten kurz vor der Rente stehe und die Politik den Mitarbeiterschwund fördere, drohe der Forstbranche spätestens bis 2020 ein personelles Ausbluten. »Dann ist das Know-how dahin und wird der Forst ohne Fachkräfte kaputt gewirtschaftet.«

Wenn Forstarbeiten an Fremdfirmen oder Scheinselbstständige vergeben würden, leide darunter nicht nur die soziale Nachhaltigkeit, sondern auch die Qualität der Wälder, erklärte der hessische Revierförster Volker Diefenbach, Chef der IG-BAU-Bundesvertretung für Forstbeamte und -angestellte. Wanderarbeiter könnten keinen langfristigen Bezug zur Waldfläche aufbauen. Viele seien zum Zweitjob gezwungen und so nicht voll bei der Sache. Dies bringe mehr Grobschlächtigkeit und weniger Pflege. Auch Organisationsreformen in der Forstverwaltung seien schädlich, sagte der Niedersachse Peter Martensen. Der Brandenburger Jörg Müller beklagte die Folgen massiver Stellenabbaupläne: »Mit jedem wegfallenden Arbeitsplatz im Forstbereich wird die Entvölkerung des ländlichen Raums vorangetrieben.« Dies sei nicht nur ein Problem im Osten, sondern auch im Süden und Westen.

»Die Forstbetriebe müssen wieder den Menschen in den Mittelpunkt rücken«, verlangt die IG BAU. Der Personalbestand dürfe nicht dem Spardiktat der Finanzminister geopfert werden, sondern müsse entsprechend den Aufgaben gestaltet werden. Mit einer Ausbildungsoffensive, moderneren Berufsbildern sowie besseren Einkommens- und Arbeitsbedingungen könnten mehr junge Menschen für den Arbeitsplatz Wald gewonnen werden, so die Gewerkschaft.

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