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Parade für die Mauer

Tausende demonstrieren an der Eastside-Gallery

Stadtentwicklung bleibt ein heikles Politikfeld in Berlin. Mehrere tausend Menschen demonstrierten am Sonntag ab 14 Uhr an der Friedrichshainer Mühlenstraße gegen den Teilabriss des längsten noch erhaltenen Stücks der Berliner Mauer. Bei Facebook hatte das Bündnis »East Side Gallery Retten« zu der Protestkundgebung aufgerufen, dort hatten fast 11 000 Menschen ihre Teilnahme angekündigt. Die Polizei zählte schließlich 6000 Demonstranten, die Veranstalter sprachen dagegen von 10 000 Teilnehmern.

Auch wenn sich die Anwesenden beim Ziel, die weitere Zerstückelung der East Side Gallery zu verhindern, einig waren, waren die Motive dafür sehr unterschiedlich. Da gab es solche, die vor allem die Zerstörung eines Monuments der deutschen Teilung verhindern wollten. »Vom Reichstag würde man ja auch nicht einfach ein Stück wegreißen«, sagte ein Demonstrant dieser hauptsächlich durch Ältere vertretenen Fraktion. Andere, diese eher jünger und sehr international, problematisierten, dass die von ihnen als Kunstwerk angesehene »East Side Gallery« nicht würdig behandelt werde. Quer durch alle Alters- und Bevölkerungsgruppen wurde die Unterordnung der Stadtentwicklung unter Interessen privater Investoren beklagt.

Sascha Disselkamp von der Club Commission betonte in der Eröffnungsansprache, dass sich der Protest nicht gegen den Errichter des 60 Meter hohen Gebäudes namens Living Bauhaus richte, was von vielen Demonstranten mit Pfiffen und Buhrufen quittiert wurde. »Das ist nicht die Mauer zur Hofeinfahrt eines Hochhauses«, sagte er in Richtung der Verantwortlichen in Senat und Bezirk.

Stefan Evers, stadtentwicklungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Landesparlament, sagte, dass es Zeit sei, nach vorne zu schauen, da nur gemeinsam der Erhalt dieses »einmaligen Denkmals« erreicht werden könne. »Die Brücke muss fallen«, sagte Marc Wohlrabe von der Club Commission. Nur durch Verhinderung der Wiedererrichtung der im Krieg zerstörten Brommybrücke können seiner Meinung nach weitere Eingriffe an der Mauer verhindert werden. Arno Paulus von »Mediaspree versenken« hoffte, dass zur Wiederaufnahme der Abrissarbeiten am heutigen Montag um 7 Uhr eine ähnliche Zahl Demonstranten da sein werde.

Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne) erklärte unter »Lügner«-Rufen, dass der Bezirk noch im Herbst letzten Jahres versucht habe, vom Finanzsenator ein Ersatzgrundstück zu erhalten, um die Bauten auf dem ehemaligen Todesstreifen zu verhindern: »Nußbaum sah das als kleines bezirkliches Problem an.« Schulz hofft nun auf den Druck der Straße, der im Herbst gefehlt habe.

Auch Udo Wolf, Linksfraktionschef im Abgeordnetenhaus, wollte wissen, was Wowereit sagt. Von Senatsseite zeigte sich allerdings niemand bei der Demons-tration. Senatssprecher Richard Meng sieht die Schuld beim Bezirk, der seine Verantwortung für das Baurecht »negieren« wolle. Daniel Wesener, Landesvorsitzender der Grünen forderte in einer Pressemitteilung die sofortige Intervention des Landesdenkmalamtes, um ein Baumoratorium zu erreichen. Die Piratenpartei möchte kommenden Donnerstag eine Aktuelle Stunde zum Thema im Landesparlament abhalten.

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