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Radfahrer sind gefährdet

Unfallbilanz 2012 vorgestellt: Niedrigste Zahl Verkehrstoter seit 1990

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Es ist eine schreckliche Bilanz: 42 Menschen, darunter ein Kind, kamen bei Verkehrsunfällen in Berlin im Jahr 2012 ums Leben. »Historisch« gesehen, sei dies jedoch der niedrigste Wert seit 1990, betont Polizeipräsident Klaus Kandt, bei der am Mittwoch nachgeholten Pressekonferenz im Polizeipräsidium zur Unfallstatistik. Normalerweise hätte der Termin bereits Mitte Februar stattfinden sollen, er wurde jedoch sehr kurzfristig abgesagt. »Auf andere Füße« habe man die Veranstaltung stellen wollen, sagt Polizeisprecher Stefan Redlich. Eine »politische Botschaft« hätte es damals geben sollen, wird gemunkelt. Das hat aber trotz Verschiebung »abstimmungsmäßig nicht geklappt«, wie Redlich sagt.

Und so liest Polizeipräsident Kandt ohne Senat seinen Text zur Vorjahresstatistik von einem eng beschriebenen Manuskript ab. Entscheidend für den leichten Zuwachs gegenüber 2011 auf insgesamt 130 782 Unfälle sind die hohen Unfallzahlen im Januar und Februar gewesen. »Die Zahl der Schwer- und Leichtverletzten konnte den Rückgang bei den Todesopfern nur leicht widerspiegeln«, sagt Kandt. Mehr Schwerverletzte sind bei Fußgängern, Radfahrern und motorisierten Zweiradfahrern zu beklagen. Stark gestiegen ist die Zahl der getöteten Radler: von elf auf 15 im Jahr 2012. Insgesamt sinke die Anzahl von Unfällen mit Radfahrern jedoch.

Wenn Autofahrer schuld an Unfällen mit Radlern haben, liegt es meist an nicht gewährter Vorfahrt und Fehlern beim Abbiegen. Radfahrer wiederum verursachen Kollisionen vor allem beim Fahrstreifenwechsel und der »Benutzung der falschen Fahrbahn« - das kann Fahren auf dem Bürgersteig oder entgegen der Fahrtrichtung auf dem Fahrradweg bedeuten.

Bei letzterem käme es allerdings selten zu schweren Verletzungen, erläutert Bernd Zanke vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC). »Beim einfahren in den Fließverkehr, zum Beispiel wenn der Radweg aufhört, da gucken leider viele Fahrradfahrer nicht, das ist eine Tatsache«, sagt er. Einen großen Sicherheitsgewinn für Radler bringen jedoch Radspuren direkt auf der Fahrbahn. Ein Auswertung des ADFC der tödlichen Unfälle von 2008 bis 2012 zeigt, dass doppelt so viele davon auf klassisch auf dem Bürgersteig geführten Radwegen stattgefunden haben.

Klaus Kandt will Fahrradfahrer gesondert behandeln: Er denkt über die Einführung einer möglicherweise mit Elektrorädern ausgestatteten Fahrradstaffel der Polizei nach. »Die Hamburger Polizei hat gezeigt, dass ein Einsatz auf Augenhöhe Verbesserung bringen kann«, sagt Kandt. Haupteinsatzgebiet wäre die Innenstadt, mit einer Arbeitsaufnahme noch in diesem Jahr rechnet er allerdings nicht.

Markus van Stegen, Sachbereichsleiter Verkehr bei der Polizei, berichtet von »fast 4100 Sonderkontrollen mit Radfahrerkontrollen«, die 2012 durchgeführt wurden - eine Steigerung um 31 Prozent gegenüber dem Vorjahr. »Die schlimmen Folgen durch fehlerhaftes Abbiegen von Kraftfahrern bleiben bei uns ein Schwerpunkt«, so Kandt. Er erhofft sich bei den Betroffenen »mehr Aufmerksamkeit und Konzentration«.

Früher, als Kandt noch selbst zügiger Fahrrad gefahren sei, hätte er häufiger Kollisionen mit Autofahrern gehabt. »Als Radfahrer muss ich für andere mitdenken, kann keine Vorfahrt erzwingen«, sagt er. Erstaunlich deutlich wandte Kandt sich gegen eine Ausweitung von Tempokontrollen im Stadtgebiet: »Eine totale Überwachung der Stadt ist weder politisch gewollt noch durchsetzbar.«

Da vieles darauf hindeute, »dass letztlich Mängel an der Infrastruktur für viele Radverkehrsunfälle verantwortlich sind«, begrüßt der ADFC die am Dienstag vorgestellte Radverkehrsstrategie des Senats. »Die Stärke liegt in der Analyse«, heißt es in einer Stellungnahme, allerdings läge die Schwäche in einer fehlenden Finanzierungszusage. Die konkreten Zahlen zu den einzelnen Haushaltstiteln seien gegenüber einer früheren Vorlage weggefallen. Es muss sich also zeigen, wie viel die Sicherheit der Radler dem Senat wert ist.

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